Magazin up date

Magazin up date 02/2018

 
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Was kommt mit und was bleibt da?

 

Diese Frage hatten wir uns in den letzten Tagen und Wochen des Öfteren gestellt. Unser Umzug in die neuen Geschäftsräume steht an und es gibt noch einiges zu tun.

 

Hinter uns liegt eine spannende und turbulente Zeit, schließlich waren wir über 30 Jahre am Standort Singen. Man hatte diesen Umzug lange herbei gesehnt, denn der Platzmangel in den letzten Jahren war enorm und für alle eine Belastung. Jetzt ist es endlich so weit: Es heißt Abschied nehmen – im Juni startet unser Neuanfang in Radolfzell.

 

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge blicken wir zurück, denn sicher werden wir auch einige Dinge vermissen: Der Blick auf den Hohentwiel hatte unverkennbar seinen Reiz und die vertrauten Plätze und Wege ließen schnell und für alle eine angenehme Vertrautheit oder Heimatgefühl entstehen. Nichts desto trotz bedeutet ein Umzug auch immer ein Neuanfang, denn der neue Standort bietet uns viel mehr Möglichkeiten.

 

Hermann Hesse sagte bereits: „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“. Und so freuen wir uns auf Radolfzell und lassen uns von dieser entzückenden Stadt am See sofort bezaubern.

 

Wir blicken in eine spannende Zukunft und nehmen die Herausforderung an, anzukommen, uns neu zu finden und Ihre Wünsche weiterhin bestmöglich umzusetzen. Wir gehen mit der Zeit, entdecken Neues und entwickeln uns. Wir führen damit auch unsere Unternehmensstrategie fort und halten an unseren persönlichen Zielen fest. Das sind einfach nur gute Aussichten!

 

Das Umzugsunternehmen ist gebucht und die Kartons stehen bereit. Jetzt heißt es für uns anpacken, einpacken und dann wieder auspacken. Was nehmen wir mit und was bleibt da? Ordner aussortieren, Unnützes entsorgen und uns von dem einen oder anderen Gegenstand trennen. Liebgewonnene Erinnerungsstücke und damit die Erinnerung an eine wirklich tolle Zeit – diese nehmen wir mit!

 

Wenn auch Sie bereits ein so großes Projekt hinter sich oder vielleicht auch vor sich haben, dann wissen Sie, welch enormer Schritt hier auf uns zukommt. Es ist der Mut, die Freude und gleichzeitig die Angst vor dem Ungewissen. Der erste Schritt auf diesem Weg war schwer, aber es ist für uns definitiv der richtige Weg. Für die Zukunft freuen wir uns auch weiterhin auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit Ihnen und Ihrem Team. Ab 15. Juni dann von Radolfzell aus!

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Manfred Reiss
Geschäftsführer
Michael Reiss
Geschäftsführer

 


Aus dem Inhalt

 


Ganz aktuell: Die Umsetzung der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) in den Arztpraxen

 

Die DSGVO tritt nach zweijähriger Übergangsfrist zum 25.05.2018 in Kraft. Neben der ärztlichen Schweigepflicht und weiteren Vorschriften, ist stets der Verantwortliche, also die Praxis, das Krankenhaus etc. für die Umsetzung, Einhaltung und den Nachweis der DSGVO verantwortlich.

 

Die Auseinandersetzung mit der DSGVO hat die Sensibilität bei Firmen, Kunden und beim Verbraucher deutlich erhöht. Damit erhöht sich auch das Risiko, wegen Nichteinhaltung der datenschutzrechtlichen Vorgaben in Anspruch genommen zu werden.

 

Bei Gesundheitsdaten handelt es sich gem. Artikel 9 DSGVO um besonders schützenswerte personenbezogene Daten. Eine Datenweitergabe an einen Dritten darf nur unter bestimmten Voraussetzungen erfolgen. Sollten Sie für bestimmte Tätigkeiten auf einen Dienstleister zurückgreifen, der Zugriff auf personenbezogene Daten hat oder dieser nicht ausgeschlossen werden kann, handelt es sich gem. Artikel 28 DSVO um eine Datenverarbeitung im Auftrag. Hierzu ist ein entsprechender Vertrag dringend erforderlich. Dies ist zum Beispiel bei IT-Dienstleistern der Fall, auch wenn nur ein Wartungs- und Supportvertrag besteht.

 

Für die Datenweitergabe an uns, die PVS Reiss GmbH, wird von jedem Patienten eine schriftliche Einwilligung eingeholt und jeder Patient stimmt der Datenweitergabe explizit zu. Dementsprechend ist in diesem Fall eine vertragliche Regelung zur Auftragsverarbeitung nicht erforderlich. Umso wichtiger ist, dass Sie diese Einwilligung von jedem Patienten vor der Behandlung auch einholen!
Innerhalb Ihrer Praxis gibt es im Hinblick auf das neue Gesetz einiges zu beachten. Dies betrifft zum Beispiel bereits die Datenerhebung: Nicht alle Informationen eines Patienten dürfen auch gesammelt und archiviert werden. In der Regel dürfen Sie nämlich nur die Daten, die auch für die Durchführung von Behandlung und Diagnose von Belang sind, in der Patientenakte vermerken oder elektronisch verarbeiten.

 

Sie sollten die Gelegenheit nutzen, sich selbst und Ihr Personal auf den neuesten Stand zu bringen und alle Datenwege in Ihrer Praxis überprüfen. Auch ein externer Datenschutzbeauftragter kann Ihnen dabei helfen, Gewissheit zu erlangen, ob alle Vorgaben der DSGVO in Ihrer Praxis umgesetzt sind. Ebenso sind Kammern und Verbände behilflich. In keinem Falle dürfen Sie die DSGVO unbeachtet lassen!

 

Die 10 häufigsten Stolperfallen in Punkto Datenschutz in einer Arztpraxis könnten sein:

 

  • Die Weitergabe von Gesundheitsdaten erfolgt per FAX, hierbei können unberechtigte Personen an das Dokument gelangen
  • Die Weitergabe von Gesundheitsdaten erfolgt telefonisch und hierbei können unberechtigte Personen unter Umständen mithören
  • Der Bereich, der für Empfang und Bedienung der Patienten vorgesehen ist (in der Regel eine Theke) befindet sich in Hör- oder Sichtweite anderer Patienten
  • Gesundheitsdaten werden unverschlüsselt per Mail versendet
  • PC-Arbeitsplätze sind bei Abwesenheit nicht zuverlässig gesperrt
  • Patienten befinden sich alleine in einem Behandlungszimmer und haben Zugriff auf PC-Arbeitsplätze oder Krankenakten
  • Keine oder nicht ausreichende Verträge zur Auftragsverarbeitung mit Dienstleistern wie z.B. IT-Dienstleistern
  • Keine regelmäßige Datensicherung
  • MitarbeiterInnen wurden nicht schriftlich auf das Datengeheimnis verpflichtet
  • Es erfolgte keine Bestellung eines Datenschutzbeauftragen, obwohl erforderlich. (Datenschutzbeauftragter darf weder Mitglied von Geschäfts- noch Personalleitung sein)
  • Unkorrekte Entsorgung von nicht mehr benötigten Patientenakten oder Datenträgern ins Altpapier oder den Haushaltsmüll.

Besser wäre es zum Beispiel:

 

  • Die Rezeptbestellungen oder Überweisungen von Bestandspatienten werden über eine eigene Telefonnummer und einen angeschlossenen Anrufbeantworter aufgenommen. Dies spart zudem Zeit für die wartenden Patienten, denn die Bestandskunden holen das Angeforderte lediglich ab
  • Alle Personen, die in der Praxis tätig sind, wurden schriftlich auf das Datengeheimnis gem. DSGVO und BDSG (neu) verpflichtet. Diese Verpflichtungserklärung sollte außerhalb des Arbeitsvertrages, aber mit Beginn der Tätigkeit erfolgen. Auch Personen, die sich zu anderen Zwecken in der Praxis aufhalten, z.B. Reinigungskräfte, müssen verpflichtet werden. Zudem sollte über die Konsequenzen bei Nichteinhaltung informiert werden
  • Die räumliche Empfangssituation erlaubt es, auch persönliche Worte zu wechseln. Aufklärungsgespräche finden in einem separaten Bereich oder Zimmer statt.

 


Die Villa Clara und ihre Erweckung aus dem Dornröschenschlaf

 

Interessantes aus Geschichte und angewandter Kunst
Unser zukünftiges kleines Verwaltungsgebäude in Radolfzell, das Kulturdenkmal „Villa Clara“, ist trotz Umbauten von Vorbesitzern immer noch in einem sehr guten Zustand. Dennoch werden wir auf heutige technische Anfordernisse aufrüsten, um unseren Mitarbeitern ein angenehmes Arbeiten ermöglichen zu können. Unter Abwägung der Investitionskosten wurde entschieden, viele Maßnahmen zur Erhaltung und ein paar herausragende Maßnahmen zur Restaurierung durchführen zu lassen. Es gibt für diese Vorgehensweise Fördergelder, die wir nutzen können. Alles was wir erhalten, aber nicht in den Urzustand zurück versetzen lassen, kann jederzeit zu einem späteren Zeitraum restauriert werden. Uns ist es wichtig, dass die Dinge bestmöglich erhalten bleiben. Einen Überblick über Geschichte und Kunstgeschichte der Villa Clara aus der Sicht der darin arbeitenden Restauratoren geben wir gerne:

 

Die Geschichte der Villa Clara
Die Villa Clara entstand 1896 im Auftrag eines leitenden Angestellten der ortsansässigen Firma Schiesser, Carl Burkart, in der Zeit des Historismus (1850 – 1914) im Neorenaissance-Stil. (Der Historismus löste die Zeit des Biedermeiers von 1815 Wiener Kongress – 1848 ab, auf den Historismus folgte der Jugendstil.) Die Gestaltungsmerkmale des Historismus, das Aufgreifen und Verwenden vorangegangener Stile, sind an der Fassade der Villa wie auch in den Innenräumen zu erkennen. Abb 1.

 

Im Laufe der letzten 100 Jahre wurden Umbau- und Erweiterungsbauten vorgenommen, besonders 1976/77 mit dem Einzug der DRK Leitstelle. Trotz dieser Maßnahmen sind in den Innenräumen der Villa Clara große Bereiche der bauzeitlichen Gestaltung als schützenswerte Gesamtheit erhalten. Im Eingangsbereich zeigen sich neben der bauzeitlichen Wand- malerei die dazugehörige bemalte Putzdecke, sowie ein Terrazzoboden mit eingelegten Mosaikarbeiten sowie dem Schriftzug „SALVE“. Bei der Wandfläche im Eingangsbereich ist im unteren Drittel ein gemalter Sockel zu erkennen, dabei wurden verschiedene Steine sowie Marmor imitiert, ähnlich einer Intarsienarbeit. Diese Steinimitation in der Sockelzone schafft den Übergang vom Terrazzoboden zur Malerei der oberen Wandfläche. Dabei handelt es sich vermutlich um eine Kartusche mit einem darunterliegenden Schriftfeld. Abb 2, 3.

 

Neobarocke Stuckdecke im Salon
In den Räumen der unteren Etage sind zwei Stuckdecken sowie eine Holzkassettendecke erhalten. Die meisten Ausstattungsteile wie Kassetten- und Stuckdecken dürften auf den Erbauer Carl Burkart zurückgehen. Die Stuckdecken tragen unter den späteren Anstrichen als Erstfassung eine differenzierte Farbfassung, teils mit einer Vergoldung oder Metallisierung. Eine wunderbare neobarocke Stuckdecke im ehemaligen Salon zeigt musizierende Engel. (Bei barocken Gestaltungen wurden solche Engel immer mehr zu kleinkindähnlichen Putten stilisiert und weniger als religiöse Figur beachtet. Sie symbolisierten Freude, Jugendlichkeit und Leichtigkeit.) Abb 4.

 

Grotesken im Wohnzimmer
Im angrenzenden Raum, einst das Wohnzimmer, wurden bei der Stuckdecke die Gestaltungsmerkmale der Renaissance aufgegriffen. Umlaufend zeigt sich ein Konsolfries. In der Deckenfläche sitzen zwei Mittelornamente mit integrierten Grotesken. (In der Kunstgeschichte versteht man unter der Groteske eine Ornamentform aus feingliedrigem Ranken- werk, das neben pflanzlichen Formen auch phantastische Mischwesen, Vasenmotive und anderes einbeziehen kann. Dieser erstmals für 1502 nachgewiesene Begriff entstand in der Renaissance.) Auch hier ist unter den späteren Anstrichen die gelblich-bräunliche Erstfassung erhalten, zahlreiche Details waren durch eine Bronzierung abgesetzt. Abb 5.

 

Holzkassettendecke im Speisezimmer
Im ehemaligen Speisezimmer ist eine Holzkassettendecke vorhanden. Was auf den ersten Blick wie verschiedene Holzarten wirkt, ist jedoch eine Bemalung. Dabei wurden hochwertige Holzarten malerisch imitiert und durch farbig abgesetzte Begleitbänder und Profilleisten ergänzt. Einst waren in diesem Raum die unteren zwei Drittel der Wandfläche zusätzlich mit einer Holzverkleidung versehen, die leider nicht mehr vorhanden ist. Dafür blieb in diesen Räumen der dazugehörige bauzeitliche Parkettboden erhalten. Die Stuckdecken der oberen Räume zeigen die Gestaltungsmerkmale des Neobarock und des Jugendstil. Im Bereich dieser Decken sind von der bauzeitlichen Farbigkeit noch Reste vorhanden, diese wurden im Zuge einer Befunduntersuchung dokumentiert, um die Rekonstruktion der bauzeitlichen Fassung evtl. zu einem späteren Zeitpunkt zu ermöglichen. Abb 6, 7.

 

Das Prozedere der RestauratorenUm eine sinnvolle Vorgehensweise bestimmen zu können, wurden an Wand- und Deckenflächen Arbeitsproben durchgeführt. Unabhängig von einer weiteren Bearbeitung werden alle Stuckdecken gesichert. Risse und Hohlstellen werden mittels mineralischem Injektionsmörtel gefestigt und hinterfüllt. Sich lösende Stuckelemente oder Verschraubungen der Teilelemente werden kraftschlüssig wieder mit dem Untergrund verbunden.

 

Im Zuge der letzten 100 Jahre wurden die Stuckdecken mehrfach überfasst (=überstrichen) und die Stuckierung ist dadurch stark verschlämmt. Eine Freilegung der Decken ist jedoch gut möglich, dabei werden mechanisch die Farbfassungen (=Anstriche) entfernt und die Erstfassung der Decken freigelegt. Kleinere Fehlstellen im Bereich der Fassung werden dann durch eine Retusche geschlossen.

 

Die restauratorischen Arbeiten im Bereich von Stuckdecken und Wandmalerei werden von der Vergoldermeisterin und Restauratorin Melanie Bochmann in Zusammenarbeit mit dem Restaurator Robert Lung ausgeführt, ebenso die begleitenden Arbeiten an der historischen Fassadenfläche der Villa Clara. Bereits vor Beginn der Arbeiten zeigt sich eine gute Zusammenarbeit mit dem Landesdenkmalamt, den beauftragten Handwerkern und Herrn Stadler aus Radolfzell, der sich um die die notwendigen historischen Dokumente und Fotos der Baugeschichte kümmerte, aus denen wir überhaupt erst wissen, wie es einmal war.

 

Unser Ziel ist es, die bauzeitliche Substanz in ihrer Gesamtheit zu erhalten und nach Möglichkeit in den ursprünglichen Zustand zurückzuführen. Bei der notwendigen Bearbeitungen von Wand und Bodenflächen wird darauf geachtet, ein einheitliches Gesamtbild zu schaffen, welches die bauzeitliche Substanz integriert. Die Fertigstellung ist auf Ende Juni 2018 geplant.

 

Abb 1: Villa Clara Ende 2017, im Hintergrund rechts steht der Bürogebäuderohbau.

Abb 1: Villa Clara Ende 2017, im Hintergrund rechts steht der Bürogebäuderohbau.

 

Abb 2, 3: Verborgene Schätze im Eingangsbereich der Villa Clara

Abb 2, 3: Verborgene Schätze im Eingangsbereich der Villa Clara

 

Abb 4: Decke im ehemaligen Wohnzimmer, Abb. 5: Decke im ehemaligen Salon

Abb 4: Decke im ehemaligen Wohnzimmer, Abb. 5: Decke im ehemaligen Salon

 

Abb. 6: Die derzeit übermalte Holzkassettendecke im ehemaligen Speisezimmer

Abb. 6: Die derzeit übermalte Holzkassettendecke im ehemaligen Speisezimmer

 

Abb. 7: Befunduntersuchung

Abb. 7: Befunduntersuchung

 


Damit Sie keinen Schiffbruch erleiden: GOÄ 2 nur abrechenbar bei einem Wiederholungsrezept!

 

Ausstellung von Wiederholungsrezepten und/oder Überweisungen und/ oder Übermittlung von Befunden oder ärztlichen Anordnungen – auch mittels Fernsprecher – durch die Arzthelferin und/oder Messung von Körperzuständen (z. B. Blutdruck, Temperatur) ohne Beratung, bei einer Inanspruchnahme des Arztes.

 

Abrechnungsbestimmung:
Die Leistung nach GOÄ 2 darf anlässlich einer Inanspruchnahme des Arztes nicht zusammen mit anderen Gebühren, in derselben Sitzung berechnet werden.Die Gebühr ist gedacht für die Tätigkeit der Praxismitarbeiterin ohne dass der Arzt bzw. Zahnarzt gegenüber dem Patienten tätig wird. Sollte jedoch für die Befundmitteilung der Arzt bzw. Zahnarzt direkt im Gespräch tätig werden müssen, kann die GOÄ 1 berechnet werden.

 

Es gilt der eingeschränkte Gebührenrahmen.
Die GOÄ 2 gehört zum sogenannten „reduzierten Gebührenrahmen“ und darf nur bis zum 2,5-fachen Satz berechnet werden. Achtung: Eine Vereinbarung nach § 2 Abs. 1 GOÄ über einen Steigerungsfaktor über 2,5 ist nicht möglich!

 

Nach der Leistungslegende ist die Gebühr für eine Terminvereinbarung nicht berechnungsfähig.
Die Ausstellung von Bescheinigungen oder einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ist nach der GOÄ 70 zu berechnen.

 


Wann rechne ich die GOZ 9050, wann die GOZ 9060 ab?

 

Weil in der alten GOZ von 1988 die damalige GOZ-Nr. 905 immer wieder zu unterschiedlichen Interpretationen von Leistungsinhalt und Berechenbarkeit geführt hat, wurden die Leistungen rund um die Arbeitsschritte, die die Aufbauelemente (damals noch mit dem Alternativbegriff der Sekundärteile belegt) betreffen, überarbeitet und neu formuliert.

 

So wurde zum einen nicht nur das Auswechseln von Aufbauelementen in die Leistungsbeschreibung aufgenommen, sondern auch das Entfernen und Wiedereinsetzen derselben Elemente. Des Weiteren wurden die Zusammenhänge, in denen die Maßnahmen erfolgen, bei der Novellierung der GOZ zum 01.01.2012 spezifiziert und in Maßnahmen unterteilt, die die Anfertigung und Eingliederung des Zahnersatzes betreffen („Rekonstruktive Phase“ – GOZ 9050) und solche, die als Reparaturfall einen bereits früher angefertigten Zahnersatz betreffen („Erhaltungsphase“ – GOZ 9060).

 

Eine Berechnung der GOZ 9050 ist nicht möglich, wenn das Auswechseln der Aufbauelemente nicht im Zusammenhang mit der Herstellung eines neuen Zahnersatzes bzw. Suprakonstruktion steht (sogenannte rekonstruktive Phase). Dies ist z.B. dann der Fall, wenn in der sogenannten Erhaltungsphase aus prophylaktischen (z. B. im Rahmen einer professionellen Implantatreinigung) oder therapeutischen Gründen (z. B. im Rahmen einer Periimplantitis-Therapie, Wiederbefestigen eines gelockerten Aufbauelements) das Entfernen und Wiedereinsetzen erfolgt. Derartiges Entfernen und Wiedereinsetzen ist eine in der GOZ 2012 nicht beschriebene Leistung, die entsprechend nach § 6 Abs. 1 GOZ analog berechnet werden muss.

 

Werden Gingivaformer zur Optimierung des Emergenzprofils (trichterförmige Ausformung der den Implantatpfosten umgebenden Schleimhautmanschette) mehrfach aufgebaut oder umgeformt und dabei entfernt und wiedereingesetzt, so fallen diese Maßnahmen des Aus- und Einschraubens ebenfalls nicht in der rekonstruktiven Phase an. In dieser Phase der langsamen, ggf. um periimplantäre weichteilchirurgische Maßnahmen ergänzten Weichgewebsadaptation wird noch kein Zahnersatz/keine Suprakonstruktion erstellt. Damit fallen derartige Maßnahmen nicht unter die GOZ 9050 oder 9060, sondern sind nach § 6 Abs. 1 GOZ analog zu berechnen. Eine Berechnung der GOZ 9060 ist in der rekonstruktiven Phase nicht möglich, weil diese Gebührenziffer ausschließlich den Reparaturfall regelt.

 

Bei einer erneuerungsbedürftigen implantatgetragenen Prothesenkonstruktion befinden sie sich in der rekonstruktiven Phase, hier findet die GOZ 9050 Anwendung.

 


Sie fragen und wir antworten!

 

Darf die Lupenbrille analog in Ansatz gebracht werden?
Nein, die Anwendung einer Lupenbrille zur Qualitätsverbesserung stellt keine selbständige Leistung dar und ist mit der GOZ-Position abgegolten.

 

Kann ich neben der GOZ 1040 das Airflowgerät und das Material zusätzlich berechnen?
Nein, entsteht bei der professionellen Zahnreinigung durch die Verwendung des Airflowgerätes ein erhöhter Zeitaufwand, kann dies bei der Höhe des Steigerungsfaktors berücksichtigt werden.

 

Ist es möglich, die GOÄ 70 für das Ausstellen eines Rezeptes in Ansatz zu bringen?
Nein, Die Leistung nach der GOÄ-Nr. Ä70 ist berechnungsfähig für

  • das Ausstellen einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung
  • das Ausstellen von Schul-, Sport- oder Kindergartenbefreiungen
  • das Ausstellen eines Personenbeförderungsscheins (Krankentransport)
  • kurzes Zeugnis (z.B. über den Arztbesuch für Arbeitgeber/Schule)
  • kurze Bescheinigungen (z.B. kurzer Befundbericht/Befundmitteilung an einen weiterbehandelnden Arzt/Zahnarzt)

 

Darf ich unter den Faktor 1,0 berechnen?
Nein, in der Regel darf eine Gebühr nur zwischen dem 1,0 und dem 2,3-fachen des Gebührensatzes bemessen werden; ein Überschreiten des 2,3-fachen des Gebührensatzes ist nur zulässig, wenn Besonderheiten dies rechtfertigen und diese dann auch begründet werden.

 

Wann wird eine Vestibulumplastik oder Mundbodenplastik nach der GOZ 3240 und wann nach der GOÄ 2675 in Ansatz gebracht?

  • Die GOZ 3240 wird für einen Bereich bis zu zwei nebeneinander liegenden Zähnen, ggf. auch am zahnlosen Kieferabschnitt in Ansatz gebracht
  • Die GOÄ 2675 wird für einen Bereich ab drei nebeneinander liegenden Zähnen, ggf. auch am zahnlosen Kieferabschnitt in Ansatz gebracht

 

Kann zur GOZ 9040 ein OP Zuschlag berechnet werden?
Nein, obwohl die GOZ-Nr. 9040 eine chirurgische Leistung darstellt und diese Gebührennummer eine Punktzahl von 626 aufweist, ist für diese Leistung in der Gebührenordnung kein OP-Zuschlag vorgesehen.

 

Wie kann das Wiederbefestigen eines alio loco angefertigten Provisoriums berechnet werden?
Die Wiedereingliederung eines andernorts angefertigten Provisoriums ist nach § 6 Abs. 1 GOZ analog zu berechnen (siehe BZÄK-Kommentar zur GOZ-Nr. 2270).

 


Abrechnung der Optischen Kohärenz-Tomographie (OCT)

 

Analoge Abrechnung notwendig
Die Optische Kohärenz-Tomographie (OCT) ist im Leistungsverzeichnis der GOÄ nicht abgebildet, was eine analoge Abrechnung gem. § 6 (2) notwendig werden lässt.

 

Etabliert, jedoch nicht unumstritten
Die analoge Abrechnung der GOÄ-Nummer 424 für die OCT ist mittlerweile weitestgehend von den Kostenerstattern anerkannt und wird auch von der Bundesärztekammer befürwortet.

 

Eine zusätzliche analoge Abrechnung des Zuschlags 406 für die farbige Sichtbarmachung der einzelnen Retinaschichten ist zwar möglich, wird aber von manchen Versicherern beanstandet. Auch die Bundesärztekammer spricht sich nicht für diese Zuschlagsleistung aus. Dies ist wenig nachvollziehbar, da in Praxen und Kliniken unterschiedlich leistungsfähige Geräte vorhanden sind. Schließlich verfügt nicht jedes Gerät über die Möglichkeit einer farbigen Darstellung der Retinaschichten!

 

Häufiger Irrtum bei der Abrechnung
Nicht selten wird anstelle der korrekten Abrechnung nach den analogen GOÄ-Nrn. 424 und 406 die Nr. A 7017 aus dem Analogverzeichnis der Bundesärztekammer abgerechnet. Bei der A 7017 handelt es sich jedoch um eine vollkommen andere Leistung, die nur zufällig auf dieselben analogen GOÄ-Nummern (Nr. 424 + Nr. 406) zurückgreift:

 

A 7017 – Zweidimensionale Laserdoppler-Untersuchung der Netzhautgefäße mit Farbkodierung, ggf. beidseits, analog GOÄ-Nr. 424 + analog GOÄ-Nr. 406

 

Beide Leistungen, sowohl die OCT als auch die Leistung nach der A 7017 beziehen sich zwar auf Untersuchungen am Augenhintergrund, dennoch sind die Leistungsziele unterschiedlich. Während es sich bei der OCT um eine Schichtaufnahme der Papille bzw. der Makula handelt, ist das Leistungsziel der A7017 die Laserdoppler-Untersuchung der Netzhautgefäße. Das diagnostische Interesse bezieht sich demnach auf die Durchblutung in den Gefäßen, nicht jedoch auf die Darstellung und Vermessung der Retinaschichten.

 


Analog-Abrechnung –
Ein Buch mit sieben Siegeln?

 

Was hält die GOÄ bis heute „jung“?
Dank des Paragraphen 6 (2) der GOÄ, der die Analog-Abrechnung regelt, ist es überhaupt möglich, moderne ärztliche Leistungen mit einer Gebührenordnung, die aus dem Jahr 1996 stammt, noch abrechnen zu können.

 

Wortlaut § 6 (2) GOÄ:
„Selbstständige ärztliche Leistungen, die in das Gebührenverzeichnis nicht aufgenommen sind, können entsprechend einer nach Art, Kosten und Zeitaufwand gleichwertigen Leistung des Gebührenverzeichnisses berechnet werden.“
 

Wie ist § 6 (2) GOÄ zu verstehen?
Neuartige ärztliche Leistungen, die im Gebührenverzeichnis der GOÄ (noch) mit keiner GOÄ-Nummer abgebildet sind, werden bei einer analogen Abrechnung ersatzweise mit einer anderen GOÄ-Nummer abgerechnet.

 

Warum dann nicht einfach pauschal abrechnen?
Eine Pauschalabrechnung wäre in einem solchen Fall zwar einfacher, ist aber nicht erlaubt. Gem. § 1 (1) GOÄ bestimmen sich die Vergütungen für die beruflichen Leistungen der Ärzte nach dieser Verordnung, soweit nicht durch ein Bundesgesetz etwas anderes bestimmt ist.

 

Was ist bei der Auswahl der Analog-Nummer zu beachten?
Drei wichtige Kriterien muss die Leistung, für die eine Analog-Nummer ausgewählt werden soll, erfüllen:

  1. Sie darf im Gebührenverzeichnis nicht aufgeführt sein.
  2. Sie muss „selbständig“ sein. Das heißt, sie darf nicht Teil einer anderen Leistung sein z. B. Bauchhöhleneröffnung bei Blinddarmentfernung.
  3. Sie muss gleichwertig sein in Bezug auf Art, Kosten- und Zeitaufwand

 

Was bedeutet „gleichwertig“?
Anhand des folgenden Beispiels lässt sich diese Frage am besten beantworten:

 

Eine Nadel-Akupunktur zur Allergiebehandlung soll abgerechnet werden

  1. Die Leistung ist im Gebührenverzeichnis nicht aufgeführt.
  2. Es handelt sich um eine „selbstständige“ Leistung, da die Nadel-Akupunkturzur Allergiebehandlung nicht Teil einer anderen Leistung ist.

 

Zur Auswahl einer Analog-Nummer bieten sich zwei GOÄ-Nummern an:

1. GOÄ-Nr. 269
Akupunktur (Nadelstich-Technik) zur Behandlung von Schmerzen, je Sitzung
 

2. GOÄ-Nr. 269a
Akupunktur (Nadelstich-Technik) mit einer Mindestdauer von 20 Minuten zur Behandlung von Schmerzen, je Sitzung

 

Beide GOÄ-Nummern sind ursprünglich nur zur Behandlung von Schmerzen mittels Nadel-Akupunktur und demnach nicht als Original-GOÄ-Nummern für die Behandlung von Allergien berechnungsfähig.

 

Welche der beiden GOÄ-Nummern die passende Analog-Nummer sein kann, hängt vom Zeitaufwand der Allergie-Akupunkturbehandlung ab, denn entscheidende Leistungsinhalte der Original-GOÄ-Nummer werden an die Analog-Nummer „vererbt“. Soll die GOÄ-Nr. 269a in diesem Beispiel als Analog-Nummer herangezogen werden, so muss die Behandlungszeit für die Allergie-Akupunktur ebenfalls mindestens 20 Minuten betragen, denn sonst wäre die Leistung nicht „gleichwertig“; im anderen Fall müsste stattdessen die GOÄ-Nr. 269 hierfür ausgewählt werden.

 

Wie werden Analog-Nummern in der Rechnung dargestellt?
Gem. § 12 (4) GOÄ „…ist die entsprechend bewertete Leistung für den Zahlungspflichtigen verständlich zu beschreiben und mit dem Hinweis entsprechend sowie der Nummer und der Bezeichnung der als gleichwertig erachteten Leistung zu versehen.“

 

Bezogen auf das Beispiel der Allergie-Akupunkturbehandlung würde die Rechnung so aussehen:
GOÄ-Nr. 269a Akupunktur (Nadelstich-Technik) mit einer Mindestdauer von 20 Minuten zur Behandlung von Schmerzen, je Sitzung.

 

Entsprechend § 6 (2) GOÄ analog:
Akupunktur (Nadelstich-Technik) mit einer Mindestdauer von 20 Minuten zur Behandlung einer Allergie, je Sitzung

 

Zuerst wird der Originaltext der GOÄ-Nummer genannt, dann der Verweis auf den Paragraphen 6 (2) der GOÄ, gefolgt von der Beschreibung des tatsächlich erbrachten Leistungsinhalts.

 

Keine Neuerfindung durch Analog-Abrechnung!
Um die im Paragraphen 6 (2) GOÄ geforderte Gleichwertigkeit sicher zu stellen, werden alle „Do´s und Don`t´s“ der Original-GOÄ-Nummer an die Analog-Nummer weitergegeben, denn mit der Auswahl einer GOÄ-Nummer zur analogen Abrechnung einer Leistung, wird keine neue Gebührennummer geschaffen (siehe auch „GOÄ-Ratgeber Deutsches Ärzteblatt 108, Heft 39 vom 30.09.2011, S. A-2056, Dr. A. Pieritz, Bundesärztekammer).

 

Dies betrifft insbesondere:

  • Gebührenrahmen (identische Abrechnungsfaktoren)
  • Mindestdauern
  • Einschränkungen der Nebeneinanderberechnung bei Kombination mit
    anderen GOÄ-Nummern
  • Einschränkungen in der Abrechnungshäufigkeit z. B. „im Behandlungsfall“, „im Kalenderjahr“ oder „je Sitzung“ (wie auch hier im Beispiel)
  • Möglichkeit der Abrechnung von Zuschlägen
  • Einzel- oder Gruppenbehandlung

 

Analogverzeichnis der Bundesärztekammer
Auch das Analogverzeichnis der Bundesärztekammer enthält keine neuen GOÄ-Nummern. Die darin aufgeführten Analog-Nummern greifen stets auf eine Original-Nummer aus dem Gebührenverzeichnis der GOÄ zurück, auch wenn die Bundesärztekammer darin sog. „Platzhalter-Nummern“ vergeben hat.

 

Beispiel:
A3732 (= Platzhalter-Nummer der BÄK) – Troponin-T-Schnelltest analog Nr. 3741 (= Original-GOÄ-Nummer)
A3732 „erbt“ den Gebührenrahmen der Original-GOÄ-Nummer (Faktor 1,0 – 1,3; Schwellenwert-Faktor 1,15).

 

Das „schwere Erbe“ der Analog-Nummern an Beispielen augenärztlicher Leistungen

 

Beispiel 1:
Werden diese beiden Leistungen in einer Sitzung erbracht, sind die einschränkenden Abrechnungsbestimmungen der Original-GOÄ-Nummern, auf die beide Analog-Nummern zurückgreifen, zu beachten:

 

A 7009 – Quantitative topographische Untersuchung der Hornhautbrechkraft mittels computergestützter Videokeratoskopie, ggf. an beiden Augen

 

analog GOÄ-Nr. 415 (= Ultraschalluntersuchung im Rahmen der Mutterschaftsvorsorge – ggf. einschl. Biometrie und Beurteilung der Organentwicklung)
 

und:
A 7015 – Optische und sonographische Messung der Vorderkammertiefe
und/oder der Hornhautdicke des Auges
analog GOÄ-Nr. 410 (= Ultraschalluntersuchung eines Organs)

 

…denn eine Abrechnungskombination der GOÄ-Nummern 415 und 410 ist gemäß den Allgemeinen Bestimmungen vor Abschnitt C VI Sonographische Leistungen 3. nicht erlaubt:

 

„Die Zuschläge bzw. Leistungen nach den Nummern 410 bis 418 sind nicht nebeneinander berechnungsfähig.“

 

Beispiel 2:
Es gilt dieselbe einschränkende Bestimmung wie im Beispiel 1.

 

A 7009 – Quantitative topographische Untersuchung der Hornhautbrechkraft mittels computergestützter Videokeratoskopie, ggf. an beiden Augen

 

analog GOÄ-Nr. 415 (= Ultraschalluntersuchung im Rahmen der Mutterschaftsvorsorge – ggf. einschl. Biometrie und Beurteilung der Organentwicklung)

 
und:
A 7014 – Ultraschall-Biomikroskopie der vorderen Augenabschnitte, einmal je Sitzung
analog GOÄ-Nr. 413 (= Ultraschalluntersuchung der Hüftgelenke bei einem Säugling oder Kleinkind bis zum vollendeten 2. Lebensjahr)

 

Beispiel 3:
A 7011 – Biomorphometrische Untersuchung des hinteren Augenpols, ggf. beidseits
analog GOÄ-Nr. 423 (= Zweidimensionale echokardiographische Untersuchung mittels Real-Time-Verfahren (B-Mode), mit Bilddokumentation – einschl. der Leistung nach Nummer 422)

 

und:
A 7017 – Zweidimensionale Laserdoppler-Untersuchung der Netzhautgefäße mit Farbkodierung, ggf. beidseits
analog GOÄ-Nr. 424 (= Zweidimensionale Doppler-echokardiographische Untersuchung mit Bilddokumentation – einschl. der Leistung nach Nummer 423 – Duplex-Verfahren)
plus analog Zuschlag GOÄ-Nr. 406 (= Zuschlag zu der Leistung nach Nummer 424 – bei zusätzlicher Farbkodierung)

 

Zwei Bestimmungen schließen in diesem Beispiel eine Nebeneinander-Berechnung aus:
1. Allgemeine Bestimmungen vor Abschnitt C VI Sonographische Leistungen 4.: „Die Leistungen nach den Nummern 422 bis 424 sind nicht nebeneinander berechnungsfähig.“
2. Leistungszifferntext der GOÄ-Nr. 424 „…einschl. der Leistung nach Nummer 423“.

 


Bewertungsportale für Ärzte und Zahnärzte: Fragen und Antworten

Im Internet gibt es inzwischen zahlreiche Portale, auf denen Patienten ihre Ärzte, Zahnärzte, Krankenhäuser und weitere medizinische Leistungserbringer bewerten können. Neben google handelt es sich speziell für den medizinischen Bereich dabei vor allem um die Portale jameda, sanego, DocInsider und TopMedic.

 

Auf den Bewertungsportalen können die Patienten neben einem individuellen Text auch Noten für einzelne Aspekte des Arztbesuches, wie beispielsweise Vertrauensverhältnis, Praxisausstattung, Sprechzeiten, Erreichbarkeit sowie Kompetenz von Arzt und Praxisteam vergeben; aus den Einzelnoten errechnet sich die Gesamtnote der einzelnen Bewertung.

 

Immer mehr Patienten verlassen sich nicht nur auf persönliche Weiterempfehlungen aus dem Bekanntenkreis oder von weiteren Ärzten, sondern greifen bei der Auswahl ihres Arztes auf die Bewertungen von vollkommen unbekannten Dritten im Internet zurück. Es wird somit offensichtlich, dass jeder Arzt eine Sensibilität für diese Form der Außenwahrnehmung entwickeln sollte – dies gilt unabhängig davon, wie man dieser Form der öffentlichen Bewertung gegenübersteht.

 

Einige Fragestellungen über Bewertungsportale möchte ich Ihnen nachfolgend aus juristischer Sicht kurz erläutern:

 

Eintragung in Bewertungsportal
Nicht jeder Mediziner möchte in einem Arztregister oder Bewertungsportal im Internet aufgeführt werden. Aus diesem Grunde stellt sich die Frage, ob Sie die Aufnahme Ihrer Praxis in ein Bewertungsportal verhindern können oder die Löschung Ihrer Praxis verlangen können.

 

Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH) besteht diese Möglichkeit für Ärzte nicht, so dass Sie die Eintragung in ein Bewertungsportal dulden müssen (BGH, Urteil vom 23.09.2014, Az. VI ZR 358/13). Der BGH räumt dem Grundrecht auf Kommunikationsfreiheit (Art. 5 Abs. 1 GG) des Portalbetreibers gegenüber dem Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmtheit (Art. 2 Abs. 1, Art. 1 Abs 1 GG) und der Berufsausübungsfreiheit (Art. 12 Abs. 1 GG) der Ärzte Vorrang ein; die Interessen des Arztes an dem Ausschluss der Speicherung der Basisdaten (akademischer Grad, Name, Fachrichtung, Praxisanschrift, weitere Kontaktdaten, Sprechzeiten, u. ä.) und Bewertungen sind nach der Auffassung der Rechtsprechung somit geringer zu bewerten als die Interessen der Portalbetreiber und Nutzer.

 

Dies gilt nach dem am 20.02.2018 verkündeten Urteil des BGH (Az. VI ZR 30/17), dessen genaue Begründung noch nicht veröffentlicht wurde, jedoch nur dann, wenn das Bewertungsportal als unabhängiger Informationsmittler auftritt und nicht eigene wirtschaftliche Interessen in den Vordergrund stellt. Da der Portalbetreiber jameda unmittelbar nach der Urteilsverkündung sein Portal entsprechend angepasst hat und zahlende Ärzte nicht mehr werbend auf den Seiten nicht zahlender Ärzte präsentiert, besteht unter den nunmehr gegebenen Bedingungen zumindest bei jameda weiterhin kein Löschungsanspruch.

 

Bewertungsportal als Werbemedium
Neben dem zuvor beschriebenen kostenfreien Grundeintrag bieten sämtliche Bewertungsportale den medizinischen Leistungserbringern an, sich gegen Entgelt in besonders herausgehobener und absetzender Weise gegenüber den Patienten zu präsentieren. Ebenso besteht die Möglichkeit ein Gütesiegel der verschiedenen Portale zu erwerben, das auf der Praxishomepage auf die Bewertungen auf dem jeweiligen Portal verweist. Mit diesen kostenpflichtigen Angeboten erwirtschaften die Bewertungsportale ihren Gewinn.

 

Bei der Nutzung dieser kostenpflichtigen Dienstleistung müssen Sie sich an die berufsrechtlichen Vorgaben hinsichtlich der informatorischen Außendarstellung halten. So müssen die auf dem Praxis-Profil gegebenen Informationen der Wahrheit entsprechen sowie klar verständlich sein und dürfen nicht zu Verwechselungen, beispielsweise mit Bezeichnungen der Weiterbildungsordnung, führen. Anpreisende, irreführende und vergleichende Werbung ist Ärzten und Zahnärzten nicht gestattet.

 

Anonyme Bewertung
Als Ausdruck der Meinungsfreiheit haben unter anderem Bewertungsportale die anonyme Meinungsäußerung in Telemedien wie dem Internet zu gewährleisten und zu wahren (§ 13 Abs. 6 Telemediengesetz [TMG]). Dadurch wird es für jeden Internetnutzer möglich, in anonymer Form seine Meinung zu äußern.

 

Wenn eine negative Bewertung über Sie in einem Bewertungsportal veröffentlicht wird, stellt sich daher die Frage, ob Ihnen ein Auskunftsanspruch gegen den Portalbetreiber hinsichtlich der Identität des anonymen Bewerters zusteht. Ohne die Identität des Bewerters zu kennen, ist es Ihnen nicht möglich Beseitigungs-, Unterlassungs- oder Schadensersatzansprüche (gerichtlich) durchzusetzen.

 

Ein solcher Auskunftsanspruch wurde von dem BGH (Urteil vom 01.07.2014, Az. VI ZR 345/13; Beschluss vom 04.09.2014, Az. VI ZR 345/13) abgelehnt, da das TMG keine entsprechende Befugnis für den Betreiber eines Bewertungsportals enthält. Es besteht demnach für Sie nicht die Möglichkeit die Identität von dem Portalbetreiber in Erfahrung zu bringen.

 

Sofern die anonyme Bewertung jedoch strafrechtlich relevante Inhalte enthält (Beleidigung, üble Nachrede, Verleumdung), besteht durch die Einleitung eines staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahrens die Möglichkeit, dass die Staatsanwaltschaft als Strafverfolgungsbehörde die Identität ermittelt; gegenüber der Staatsanwaltschaft muss der Portalbetreiber die entsprechenden Auskünfte erteilen (§ 14 Abs. 2 TMG).

Stellungnahme zu kritischen Bewertungen
Negative Bewertungen, die sich als Meinungsäußerung des Patienten darstellen, müssen Sie hinnehmen. Es besteht jedoch bei allen Bewertungsportalen die Möglichkeit, zur Kritik des Bewerters Stellung zu nehmen.

 

Einer solchen Stellungnahme durch Sie als Arzt oder Zahnarzt sind jedoch aufgrund der (zahn-)ärztlichen Schweigepflicht Grenzen gesetzt. So dürfen Sie grundsätzlich auch dann, wenn der Patient sich mit seiner Kritik in die Öffentlichkeit begibt, keinem Dritten gegenüber Informationen über die Behandlungen offenbaren.

 

Da es bisher gerichtlich nicht geklärt ist, wie weit die Schweigepflicht in diesem Zusammenhang reicht, empfiehlt es sich bei einer Stellungnahme zurückhaltend zu sein und lediglich allgemeine Informationen, die jedermann bekannt gemacht werden dürfen, mitzuteilen. So können Sie beispielsweise unter Verweis auf Ihre ärztliche Schweigepflicht auf Organisations- und Qualitätsstandards sowie auf Behandlungspfade Ihrer Praxis hinweisen; darüber hinaus sollten Sie dem Bewerter ein persönliches Gesprächsangebot unterbreiten, um den Lesern der kritischen Bewertung zu verdeutlichen, dass Ihnen die Zufriedenheit Ihrer Patienten wichtig ist. Nur so können Sie mit hinreichender Sicherheit berufs- und strafrechtliche Risiken vermeiden.

 

Löschung durch Portalbetreiber
Da ein rechtliches Vorgehen unmittelbar gegenüber einem anonymen Bewerter sowie eine umfassende inhaltliche Stellungnahme den zuvor beschriebenen rechtlichen Hürden unterliegt, stellt sich die Frage, ob und wie gegen den Betreiber eines Bewertungsportals vorgegangen werden kann, damit eine kritische Bewertung gelöscht wird.

 

Der Portalbetreiber ist nur in den Fällen, in denen er die Bewertung eines Nutzers umformuliert oder inhaltlich verändert als sogenannter unmittelbarer Störer für den Inhalt der Bewertung verantwortlich und kann nur in diesem Fall unmittelbar auf Unterlassung, Beseitigung und Schadensersatz in Anspruch genommen werden (BGH, Urteil vom 04.04.2017, Az. VI ZR 123/17). In den meisten Fällen geben die Bewertungsportale jedoch lediglich die von einem Bewerter verfasste Mitteilung wieder, so dass der Portalbetreiber nur als sogenannter mittelbarer Störer in Anspruch genommen werden kann (BGH, Urteil vom 25.10.2011, Az. VI ZR 93/10; BGH, Urteil vom 01.03.2016, Az. VI ZR 34/15).

 
Zunächst muss rechtlich geprüft werden, ob eine Bewertung den grundrechtlichen
Schutz der Meinungsäußerung genießt oder ob es sich um unwahre Tatsachenbehauptungen handelt; zudem muss geklärt werden, ob die Bewertung in Ihr allgemeines Persönlichkeitsrecht eingreift. Diese Prüfung sollte von einem sowohl im Medien-, als auch im Medizinrecht versierten Rechtsanwalt vorgenommen werden, der sodann die entsprechenden Maßnahmen einleiten kann.

 

Stellt sich im Rahmen einer tatsächlichen und rechtlichen Prüfung eines Bewertungstextes heraus, dass Sie durch eine Bewertung in Ihrem Persönlichkeitsrecht verletzt werden, hat die Rechtsprechung des BGH das nachfolgende Prüfverfahren vorgegeben (BGH, Urteil vom 25.10.2011, Az. VI ZR 93/10; BGH, Urteil vom 01.03.2016, Az. VI ZR 34/15): Der Portalbetreiber ist zwar nicht verpflichtet, die abgegebenen Bewertungen und Texte vor der Veröffentlichung daraufhin zu überprüfen, ob sie der Wahrheit entsprechen, von dem Recht der freien Meinungsäußerung geschützt werden und den Arzt oder Zahnarzt nicht in seinem allgemeinen Persönlichkeitsrecht verletzt. Die Verantwortlichkeit des Portalbetreibers beginnt jedoch dann, wenn er Kenntnis von möglichen Rechtsverletzungen hat:

 

„Ist der Hostprovider mit der Behauptung konfrontiert, ein von einem Nutzer eingestellter Beitrag verletze ihn in seinem Persönlichkeitsrecht, und ist die Beanstandung so konkret gefasst, dass der Rechtsverstoß auf der Grundlage der Behauptung des Betroffenen unschwer bejaht werden kann, so ist eine Ermittlung und Bewertung des gesamten Sachverhalts unter Berücksichtigung einer etwaigen Stellungnahme des für den beanstandeten Beitrag Verantwortlichen erforderlich.“

 

Trotz dieser von der höchstrichterlichen Rechtsprechung klar vorgegebenen Prüfpflichten der Portalbetreiber ist insbesondere im Zusammenhang mit Bewertungen auf google beziehungsweise google my business nicht gewährleistet, dass die Portalbetreiber ihre Pflichten erfüllen; ebenfalls erfordert es eine entsprechende Erfahrung den zutreffenden Ansprechpartner (Anspruchsgegner) bei den teils nicht in Deutschland ansässigen Unternehmen ausfindig zu machen. Auch aus diesen Gründe empfiehlt es sich, entsprechende Prüfanträge durch einen mit dieser Rechtsmaterie vertrauten Rechtsanwalt vornehmen zu lassen. Doch selbst bei professioneller Unterstützung kann nicht stets eine Löschung der kritischen Bewertung erreicht werden, so dass in diesen Fällen nur die gerichtliche Durchsetzung des Anspruchs oder die Duldung der Bewertung möglich ist.

 

Arndt Wienand, LL.M. Rechtsanwalt, Fachanwalt für Medizinrecht
Rechtsanwaltskanzlei Buchmüller-Reiss, Köln

 


Personal – Bindung und Entwicklung

Personalbindung und Personalentwicklung sind zwei strategische Bereiche, die in den vergangenen Jahren auch in den medizinischen Bereichen hohe Bedeutung gewonnen haben. Gerade zum Jahreswechsel standen oder stehen wieder viele Personalgespräche und damit einhergehend vor allem die Themen Fortbildung und Gehaltsentwicklung an. Sofern man jedoch Mitarbeiterinnen* verloren hat oder auf Grund der Entwicklung des Unternehmens neue Fachkräfte sucht, stellt sich das Problem, Mitarbeiterinnen zu finden. In vielen Regionen bewerben sich auf ausgeschriebene Stellen nur eine geringe Anzahl an Bewerberinnen und Bewerber. In den meisten Fällen bringen die neuen Mitarbeiterinnen nicht die gewünschte und benötigte Qualifikation mit. Die Wege, neue Mitarbeiterinnen zu gewinnen, haben sich verändert. Die Ansprüche und Erwartungen an eine Stelle und an den Mediziner als Unternehmer, Chef und Vorgesetzter haben sich verändert. Es gibt eine Vielzahl an Problemen und Fragestellungen, zu denen wir nachfolgend Anregungen liefern wollen.

 

1. Analyse der Ist-Situation – „Qualifizierung und Erwartungshaltung fixieren“
Sehr oft verbirgt sich in der aktuellen Mitarbeiterzusammensetzung schon das größte Problem, dass Mitarbeiterinnen verloren werden, die Sie gerne halten wollten, oder dass Sie auf eine offene Stelle keine neuen Mitarbeiterinnen finden. Wir empfehlen, bevor man in Gespräche über Gehälter mit den Mitarbeiterinnen einsteigt, unabhängig davon, ob es sich um neue Mitarbeiterinnen oder bereits bestehende Mitarbeiterinnen handelt, die eigenen Vorstellungen klar zu strukturieren. Hierzu gehören im Speziellen immer die Qualifikationsstufen und das Gehaltsgefüge. Folgende Tabelle soll für den zahnmedizinischen Bereich als Beispiel dienen:

 

Tabelle 1
In diese Übersicht sollten Sie das Gehalt der jeweiligen Stelle für Berufserfahrung und Qualifikation eintragen. Das Gehalt sollte immer auf 40 Stunden gerechnet werden, damit eine Vergleichbarkeit der Stellen innerhalb Ihres Unternehmens und mit anderen Praxen entsteht. In einem zweiten Schritt schauen Sie sich bitte die Gehälter Ihrer Mitarbeiter an; berechnen Sie diese bezogen auf 40 Stunden. In vielen Praxen ist es üblich, dass lediglich 36 Stunden oder 38 Stunden gearbeitet wird. Auch in diesem Fall sollten Sie die Gehälter auf 40 Stunden hochrechnen, da eine geringe Arbeitszeit von 2 oder 4 Stunden eine Reduzierung der Arbeitsleistung von 5 % bzw. 10 % im Vergleich zum Ausgangswert darstellt. Nach der Berechnung der Gehaltsstruktur Ihrer Mitarbeiter auf Basis der 40 Stunden kategorisieren Sie diese ebenfalls nach Berufserfahrung und Qualifikation und tragen die Mitarbeiter in die Tabelle ein.

 

Bei fast allen Gesprächen, welche wir in den vergangenen Jahren im Zusammenhang mit der Gehaltstruktur mit unseren Mandaten geführt haben, gab es im Raster der Angestellten Überraschungen beim Vergleich der Gehälter. Die eher ruhigen, zurückhaltenden Angestellten, die schon mehrere Jahre angestellt sind, verdienen meist weniger, als diejenigen, die neu eigestellt wurden. Eine solche Verschiebung ist für die interne Struktur aus verschieden Gesichtspunkten heraus gefährlich, insbesondere für das Betriebsklima und das Vertrauen in Sie als Chef.

 

Tabelle 1

Mustertabelle zum Ergänzen der Gehälter in Bezug auf die Berufserfahrung. Setzen Sie die entsprechenden Kreuze im Raster immer bezogen auf eine40 Stunden-Woche

 

Tabelle 2
Die Tabelle Nr. 2 ist ein Beispiel eines unserer Mandanten. Hier wird dieser Effekt, dass das Gehaltsgefüge nicht passt, deutlich sichtbar. Daher ist es wichtig, daß Sie im ersten Schritt Ihre Ausgangssituation genau betrachten und analysieren.

 

 

Sie können hier erkennen, dass die Mitarbeiterinnen mit der geringsten Betriebszugehörigkeit, im Vergleich zu den anderen Fachkräften besser bezahlt werden. Diese Diskrepanzen sehen wir sehr häufig nicht nur in medizinischen Praxen, sondern grundsätzlich in allen Unternehmen.

 

2. Gehaltsverhandlungen
Viele Mediziner orientieren sich aktuell immer noch an den Kammerempfehlungen, wenn sie sich um neues Personal bemühen. Aus unserer Erfahrung heraus werden auch zu den Vorgaben von Seiten der Kammer Arbeitsverträge zwischen Helferinnen und Praxen geschlossen. Zudem entscheiden sich die Arbeitgeber bei der Auswahl von Helferinnen meist für die günstigere Mitarbeiterin. Allerdings sind die günstigeren Kräfte leider oft nicht diejenigen, die die gewollte bzw. geforderte Arbeitsleistung bringen. Um die Anforderungen, die man an die jeweiligen Stellen hat, erfüllt zu bekommen, müssen in vielen Fällen 10 – 30 % mehr Gehalt bezahlt werden, als die Empfehlung der Kammer vorgibt. Wir erarbeiten mit unseren Mandanten in den Gesprächen ein Raster für die Praxis, mit dessen Hilfe sie die Verhandlungen und Gespräche mit den Mitarbeitern führen und auch deren Entwicklung besprechen können.

 

3. Gehaltsbestandteile – „Geld ist nicht alles!“
Bei Studien und Befragungen von Mitarbeitern über die Zufriedenheit am Arbeitsplatz steht das Gehalt meist erst an vierter oder fünfter Stelle. Entscheidender sind die Themen Wertschätzung der Arbeit und der soziale Zusammenhalt innerhalb des Teams, Eigenständigkeit in den Aufgabengebieten, flexible und auch an die Interessen des Arbeitnehmers orientierte Arbeitszeiten und die Möglichkeit der Weiterentwicklung innerhalb der Praxis durch Fort- und Weiterbildung sowie die Übernahme verschiedener Aufgabengebiete.

 

Dennoch spielt das Gehalt eine wichtige Rolle. Gerade dann, wenn im Vergleich mit anderen Kollegen bzw. der Branche zu wenig bezahlt wird. Eine zu geringe Bezahlung spiegelt auch die nicht vorhandene Wertschätzung der Leistung der Angestellten durch den Arbeitgeber wieder. Daher ist es für Sie als Unternehmer zwingend erforderlich, Marktkenntnisse über das Gehaltsgefüge zu haben.

 

Damit bei den Mitarbeitern vom Brutto mehr ankommt, können neben dem reinen monatlichen Bruttoentgelt weitere steuer- und sozialversicherungsbegünstigte Gehaltsbestandteile mit angeboten und genutzt werden. Folgend ein paar gängige Leistungen:

 

  • Fahrtkostenzuschuss
    Sie können Mitarbeitern für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte einen Zuschuss in Höhe von 30 Cent pro einfachem Entfernungskilometer mal der Anzahl der gefahrenen Arbeitstage steuer- und sozialversicherungsfrei erstatten. Bei einer 5-Tage-Woche werden 15 Arbeitstage pro Monat pauschal anerkannt. Es können mit entsprechenden Nachweisen auch mehr Tage zur Berechnung herangezogen werden.
     
  • Warengutschein
    Gegen Vorlage entsprechender Belege können Ihren Mitarbeitern bis zu 44 € pro Monat in Form von Sachleistungen zugewendet werden. Meist wird dies in Form von Tankgutscheinen umgesetzt. Die Leistung ist ebenfalls steuer- und sozialversicherungsfrei.
     
  • Erholungsbeihilfen
    Diese können den Mitarbeitern in Zusammenhang mit Erholungsmaßnahmen – Urlauben – in Höhe von 156 € gewährt werden. Auch hier müssen entsprechende Nachweise geführt werden. Für Ehegatten können 104 € und für jedes Kind bis zu 52 € zusätzlich sozialversicherungsfrei ausgezahlt werden. Damit kommt eine vierköpfige Familie auf einen Betrag bis zu 364 € (156 € + 104 € + 52 € + 52 € = 364 €).
     
  • Elektronische Geräte
    Sofern Sie als Arbeitgeber Ihren Mitarbeitern ein Handy, ein Tablet oder auch einen Laptop zur Verfügung stellen oder zuwenden, kann dies ebenfalls steuer- und sozialversicherungsfrei geschehen. Gerade als Bonus oder als Sonderzahlung anstelle von Weihnachtsgeld kann diese Variante für beide Seiten einen erheblichen sozialversicherungsrechtlichen und steuerlichen Vorteil darstellen.
     
  • Fortbildungen
    Bei Fortbildungen geht es nicht alleine um die Entwicklung des Arbeitnehmers, sondern auch vielmehr um die Entwicklung Ihres Unternehmens. Fortbildungen fast aller Art inklusive aller Nebenleistungen können steuer- und sozialversicherungsfrei übernommen werden.
     

 

4. Fortbildung – „Wer aufhört besser zu werden, verliert den Anschluss“!
Das Thema Fortbildung wird in den meisten Praxen nicht gezielt umgesetzt. Wir erkennen bei den Beratungen immer wieder das Problem, dass selten qualifizierten Fortbildungen im Team oder gemeinsam mit dem Team besucht werden.

 

Ein dringlicher Bereich ist die Abrechnung. In vielen medizinischen Praxen werden Teile der Leistungserfassung bis hin zur kompletten Abrechnung an Helferinnen delegiert. Dies scheint aus wirtschaftlichen und zeitlichen Gründen sinnvoll. Wichtig ist allerdings, dass die Abrechnungskräfte regelmäßige Schulungen besuchen, um auf dem aktuellen Stand zu bleiben. Wir haben immer wieder Mandanten, die nach Jahren feststellen, dass Leistungsbereiche nicht vollumfänglich abgerechnet wurden und damit mehrere zehntausende Euros verloren gingen. Ein regelmäßiges Controlling von externen Firmen, die die Abrechnung auf aktuelle Entwicklungen etc. gegenprüfen, ist inzwischen bei Topp-Praxen Standard.

 

Neben der Abrechnung gibt es viele weitere Möglichkeiten wie Mitarbeiter ebenfalls gezielt gefördert werden können. Oft stehen ausschließlich fachliche Themen im Fokus. Doch wie sieht es mit der Kommunikation und dem Umgang mit Ihrem wichtigsten Gut – den Patienten – aus? Wie läuft es innerhalb des Teams? Maßnahmen, um das Gefüge und den Austausch zu fördern, Teambildung, sind wichtig. Sind die Prozesse alle fixiert und jedem Mitarbeiter bekannt? Werden diese auch von Ihnen als Unternehmer gelebt und eingefordert? Gibt es klare Anweisungen, wie mit Beschwerden umzugehen sind? Liegt ein Telefonleitfaden vor?

 

All diese Bereiche können innerhalb Ihres Teams weiterentwickelt werden und damit das Unternehmen erfolgreicher werden lassen.

 

5. Problem des Wechsels – Mitarbeiter bei höherem Gehalt zu halten ist günstiger!
Es ist wichtig, das gute Personal zu halten. Darum müssen Sie als Unternehmer die Zeichen für eine Unzufriedenheit, egal aus welchem Grund, möglichst frühzeitig erkennen und darauf reagieren. Auch wenn das Gehalt, wie bereits beschrieben, nicht der wichtigste Faktor für die ausgewählte Arbeitsstelle ist, muss auf eine leistungsbezogene marktgerechte Bezahlung geachtet werden. Wenn ein Mitarbeiter erkennt, dass die Bezahlung nicht passt, gibt es immer zwei unterschiedliche Verhaltensweisen.Die erste Gruppe an Mitarbeitern fühlt sich nicht „wertgeschätzt“ und sucht sich ohne Rücksprache mit Ihnen eine andere Stelle. Die Unternehmer erfahren zu spät, dass etwas nicht stimmt und der Mitarbeiter geht verloren. Die zweite Gruppe spricht es im Personalgespräch oder bei entsprechender Gelegenheit an. Ein zügiges Handeln sollte dann folgen, damit der Mitarbeiter sich ernst genommen fühlt und man seine fehlerhafte Markteinschätzung schnell anpasst.

 

Sollten Sie jedoch eine wichtige Kraft verlieren, können Folgekosten zwischen 20.000 – 35.000 € entstehen. Dies hängt selbstverständlich an der jeweiligen Position, der Erfahrung, des Fortbildungsstandes und des Know-Hows um die Praxis und Patienten.

 

Wie kommt man auf diese Werte? In den meisten Fällen gehen die Mitarbeiter wegen zu geringer Bezahlung. Wenn eine Topp-Kraft aus diesem Grund geht, wird man sicherlich nicht zum gleichen Wert wieder eine solche am Markt finden. Somit müssen Sie mit einer höheren Bezahlung eine neue Mitarbeiterin einstellen. Damit entstehen monatliche Mehrkosten. Diese Kraft muss jedoch erst einmal in Zeiten des Fachkräftemangels gefunden werden. Allein durch den Prozess des Suchens, der Vorstellungsgespräche, eventuell Probearbeitens etc. geht Zeit und damit auch Geld verloren. Zudem muss sich die neue Angestellte, wenn gefunden, in die Abläufe Ihres Unternehmens einarbeiten, Ihre Arbeitsweise kennen lernen, sich mit allem vertraut machen. Dabei geht wiederum Zeit bei allen anderen im Team verloren – selbstverständlich auch bei Ihnen. Darüber hinaus bleibt wiederum aktuell fast nur jede zweite Kraft bei der neuen Stelle.

 

Bei produktiven Kräften wie im Bereich der Prophylaxe entstehen Ausfallzeiten oder Mehraufwand in der Verwaltung durch Terminverschiebungen. Es gehen Patienten verloren, da die übliche gewohnte Qualität vorübergehend nicht geboten werden kann. Diese ganzen Folgen müssen sicherlich nicht wegen einer zu geringen Bezahlung entstehen.

 

Daher folgende Überlegung und Kalkulation:
Sie haben in Ihrer Praxis fünf Angestellte und zahlen allen ab sofort 300 € mehr Gehalt pro Monat. Die Praxis hat Öffnungszeiten von 36 Stunden pro Woche.

 

Berechnung der monatlichen Mehrkosten:
Kosten pro Monat inklusive Lohnnebenkosten 20% 1.800 €
Öffnungszeiten pro Monat bei 44 Wochen Arbeitszeit pro Jahr => 132 h
Mehrkosten pro Stunde: 13,64 €

 

Dies bedeutet, dass Sie bei einer Gehaltserhöhung, die sicherlich in den meisten Fällen Ihrer Angestellten bei über 10 % liegen dürfte, Mehrkosten von unter 15 € pro Stunde hätten. Diese Mehrkosten dürften über Mehreinnahmen sicherlich kompensiert werden.

 

Wenn Sie darüber hinaus die Mehrkosten für einen Mitarbeiter von 360 € in Bezug zu möglichen Folgekosten von 27.000 € durch einen Mitarbeiterwechsel setzen, dann könnten Sie dem Mitarbeiter 75 Monate – das bedeutet über sechs Jahre – das höhere Gehalt zahlen und haben den
gleichen Aufwand.

 

Fazit:
Auf dem Arbeitsmarkt aktuell passendes Personal zu finden ist schwierig. Der Fachkräftemangel ist auch in den medizinischen Bereich vollumfänglich angekommen. Der Rat kann nur sein, das gute und in der Praxis wichtige Personal durch entsprechende Maßnahmen im Unternehmen zu halten. Sie müssen als Unternehmer aktiv handeln und den Personalbereich nicht sich selbst überlassen. Vorher ist es wichtig, dass Sie das Gehaltsgefüge und die Zusatzleistungen innerhalb des Betriebs in ein Gleichgewicht bringen. Die Planung der Gehaltsentwicklung muss vor dem eigentlichen Handeln stehen. Eine Kalkulation der Mehrkosten und des notwenigen Mehrumsatzes zum Tragen der Kosten hilft bei der Entscheidung. Es dürfen in der heutigen Zeit keine Mitarbeiter auf Grund einer zu geringen Bezahlung verloren gehen. Dagegen können Sie aktiv angehen. Wenn Sie das zielgerichtet konsequent umsetzen, dann haben Sie den wichtigen Faktor Personal für die Zukunft gesichert.

 

Mike Gottstein, Steuerberater
Fachberater für Gesundheitswesen (IBG GmbH/HS Bremerhaven)

 

*zur Vereinfachung wird von Mitarbeiterinnen gesprochen.
Selbstverständlich sind männliche Mitarbeiter mit eingeschlossen.

 


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Fotos: kuhnle + knödler fotodesign, pvs Reiss, U. Sommer, N. Ernst, M. Bochmann, S. Müller, pixabay: myriam u. gellinger, shutterstock: Africa Studio, DragonImages u. ESB Professional, Fotolia: gpointstudio, K. Reischmann, G. Römhild.

 

Autoren, sofern nicht ausführlich benannt: sbay Saskia Bayer, db Daniel Bolte, svg Sabine von Goedecke, mh Michaela Helbig, sm Sabine Müller, aw Arndt Wienand, gw Gerda-Marie Wittschier.

 

Konzept und Gestaltung: www.creapart.de

 

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