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Magazin up date 02/2021

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Als vor über 50 Jahren zum ersten Mal Großrechner miteinander “vernetzt” wurden, hätte man nie vorausgesehen, welche Auswirkungen dies auf unsere Gesellschaft haben könnte. Was für den universitären Bereich ins Leben gerufen wurde, fand schnell Verbreitung. Anfang der 70-iger Jahre konnte man den ersten elektronischen Brief verschicken – bis heute ist die E-Mail eine der populärsten Kommunikationsmittel. Das Internet ist heute nicht mehr weg zu denken und eine unkomplizierte Bereicherung. Man geht davon aus, dass 2021 rund 4,14 Milliarden Menschen das Internet nutzen, allein in Deutschland rund 30 Millionen. Etwa die Hälfte der Weltbevölkerung hat dagegen überhaupt keinen Zugang zum Internet oder muss aufgrund anderer Zugangsbarrieren ohne auskommen.

 

Zunehmende Nutzung der Smartphones und steigende Leitungskapazitäten führten zu Veränderungen: Auf Webseiten sind neben Text auch Filme, Fotos, Illustrationen und Querverbindungen (Links) zu anderen Seiten möglich. Aufgrund unseres neuen Erscheinungsbildes, das Ihnen sicherlich schon aufgefallen ist, werden wir unsere Homepage demnächst auch neu gestalten.

 

Wir setzten schon früh auf Social-Media-Kanäle. Seit September 2015 sind wir bereits bei Facebook, dort posten wir interessante Informationen rund um die PVS Reiss GmbH und halten Sie mit wichtigen Informationen rund um das Factoring und Themen der medizinischen Abrechnung auf dem Laufenden.

 

Neu dazu gekommen ist Instagram. Hier posten wir nicht nur Informationen zu Veranstaltungen, Messen usw., sondern gewähren Ihnen einen ganz privaten Einblick in „unsere pvs Reiss-Familie“. Sie sehen live unsere Büros und unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die Sie sonst nur vom Telefon her kennen. Viel persönlicher und näher dran sind Sie, wenn direkt aus dem Büro in Radolfzell einmal monatlich über Veränderungen, Neuigkeiten oder Tipps berichtet wird – oder wenn von unserem Mindener Standort aus die neu gestalteten Druckerzeugnisse und Give-Aways auf sehr witzige, äußerst kreative Weise immer wieder neu präsentiert werden.

 

Besuchen Sie uns; diese wundervolle Stadt lohnt sich. Schauen Sie sich die Kultur und das Brauchtum unserer Gegend an – gerne in naher Zukunft, wenn wir wieder etwas reisen dürfen. Beiben Sie gesund und optimistisch.

 

Schauen Sie doch einmal rein:

 

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Instagram

 

Wir freuen uns auf Sie!

 

Manfred Reiss
Geschäftsführer
Michael Reiss
Geschäftsführer

 


Aus dem Inhalt

 


Die professionelle Prothesenreinigung (PPR) ist weder umsonst noch kostenlos

 

Laut der Vierten Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMVS IV) verliert der Mensch die meisten Zähne zwischen dem 40. und 65. Lebensjahr, im Durchschnitt 10 – 15 Zähne. Die häufigste Form der abnehmbaren Teilprothese bei Erwachsenen zwischen dem 35. und 44. Lebensjahr bildet in beiden Kiefern die kombiniert festsitzend-herausnehmbare Teilprothese. Ab dem 60. bis zum 80. Lebensjahr ist bei etwa 40 – 60 % der Bevölkerung mit einem Restgebiss zu rechnen und mehr als die Hälfte der Senioren besitzen herausnehmbare Prothesen als Hauptform des Zahnersatzes. Die Zähne im Restgebiss sollen durch regelmäßige PZR so lange wie möglich erhalten werden.

 

Doch wie sieht es mit der professionellen Prothesenreinigung (PPR) aus?
Laut Präambel der Festzuschuss-Richtlinie ist mit der Herstellung und Eingliederung von Zahnersatz unter anderem auch die Unterweisung des GKV-Patienten im Gebrauch von Zahnersatz inbegriffen. Für Zahnärztinnen und Zahnärzte ist das eine Selbstverständlichkeit, wobei sie ihre Patienten nicht nur über die Pflege des herausnehmbaren Zahnersatzes, sondern auch über die gründliche Pflege der noch vorhandenen Zähne kompetent aufklären. Trotzdem benötigen viele Patienten eine professionelle Unterstützung durch regelmäßige PZR und PPR, weil auch am herausnehmbarem Zahnersatz Beläge und Verfärbungen jeglicher Art entfernt werden müssen.

 

Genau wie die PZR, stellt auch die “Professionelle Prothesenreinigung” eine selbstständige Leistung dar, die jedoch weder im Bema noch im BEL II abgebildet ist und deshalb nicht zu Lasten einer gesetzlichen Krankenkasse abgerechnet werden kann. Als außervertragliche Leistung stehen verschiedene Berechnungs-Möglichkeiten zur Verfügung.

 

Vor Erbringung und Berechnung einer PPR sollten folgende Fragen geklärt werden:

  1. In welchem Zusammenhang soll die PPR erbracht werden
    1. als alleinige Leistung?
    2. neben einer professionellen Zahnreinigung?
    3. neben der Wiederherstellung von herausnehmbarem Zahnersatz?
  2. Durch wen soll die PPR erbracht werden:
    1. durch den Zahnarzt bzw. ZFA, ZMP?
    2. im Eigenlabor?
    3. im gewerblichen Labor?

 

Anhand der nachfolgenden Fallbeispiele sollen diese Fragen beantwortet werden:

 

PPR

 

Die professionelle Reinigung einer herausnehmbaren Prothese erfolgt immer extraoral und kann sowohl chairside als auch im Praxislabor oder im gewerblichen Labor erbracht werden.Die Berechnung sollte demnach als zahntechnische Leistung gemäß § 9 GOZ (z. B. nach der beb-Nr. 8123) erfolgen. Eine alleinige PPR stellt keine Leistung im Sinne der GOZ-Nr. 5250 bzw. der Bema-Nr. 100a (Wiederherstellung einer Prothese ohne Abformung) dar.

 

Der Vollständigkeit halber muss erwähnt werden, dass lt. Kommentar der Bundeszahnärztekammer eine Prothesenreinigung (im Falle einer selbstständigen zahnärztlichen Leistung) auch gemäß § 6 Absatz 1 GOZ analog berechnet werden kann.

 

PPR

 

Weitere spannende Infos (Kommentare, RKI-Richtlinie und Rechtsprechung) zur Desinfektion nach der beb-Nr. 0732 bietet Ihnen DIE DAISY unter dem Stichwort „Desinfektion“. Die aufgeführten Preise für die beb-Leistungen wurden mit dem DAISY-bebRechner® sachgerecht ermittelt.

 

Werden im Kontext einer extraloralen Prothesenreinigung auch die intraoralen Verbindungselemente (z. B. Stege, Geschiebe) professionell gereinigt, kann diese Leistung gemäß § 6 Absatz 1 GOZ analog berechnet werden.
PPR

 

Die vollständige Unterfütterung einer Teilprothese nach der Bema-Nr. 100d stellt eine Regelversorgung dar und löst auf der Laborrechnung u.a. die BEL-Nr. 809 0 aus. Durch die zusätzliche Berechnung der Prothesenreinigung (beb-Nr. 8123) und die damit verbundene Desinfektion (beb-Nr. 0732) erfolgt die Einstufung der Wiederherstellungsmaßnahme in diesem Fall als gleichartige Versorgung. Das bedeutet aber nicht, dass Regelversorgungsbestandteile (hier die Bema-Nr. 100d) nach der GOZ abgerechnet werden.

Gemäß den (bundeseinheitlichen) einleitenden Bestimmungen § 3 Absatz 3 des BEL hat eine Laborrechnung den kaufmännischen Grundsätzen der Vollständigkeit, Richtigkeit, Leistungsklarheit und -wahrheit zu entsprechen; alle tatsächlich erbrachten zahntechnischen Leistungen müssen in einer Rechnung aufgeführt werden.

 

Demnach muss die Unterfütterung, die Prothesenreinigung und die Desinfektion auf einer Rechnung aufgeführt werden. Nur wenige KZVen (z. B. Bayern) weichen im 3. Fallbeispiel von dieser Regelung ab und erlauben eine getrennte Rechnungsstellung (BEL bzw. beb), damit der Fall als Regelversorgung und nicht als gleichartige Versorgung, insbesondere bei den sogenannten Härtefällen, abgerechnet werden kann.

 

Eine Prothesenreinigung ist nie umsonst, aber einige Zahnarztpraxen betrachten sie als kostenlose „Service-Leistung“, nach dem Motto: „Tue Gutes und rede darüber“. Natürlich darf die Prothesenreinigung in diesem Fall nicht auf einer Rechnung erscheinen, auch nicht mit 0,00 Euro, denn das könnte als „unlauterer Wettbewerb“ betrachtet werden.

 

Sylvia Wuttig, B.A.
Geschäftsführende Gesellschafterin
DAISY Akademie + Verlag GmbH

 


Seien Sie offensiv…
Verstärkte Präsenz zeigen in der Corona-Krise

Dass die Umsatzzahlen in der sogenannten Coronakrise sich auch in der Dentalbranche teilweise auffallend rückläufig entwickelt haben, ist wohl niemandem verborgen geblieben. So sind diese Auswirkungen auch in den deutschen Zahnarztpraxen deutlich spürbar. Dieses gilt vor allem bei privat liquidierten Leistungen. Laut GOZ-Analyse BZÄK vom 28. Januar diesen Jahres betrug der Umsatzrückgang im 2. Halbjahr 2020 gegenüber dem Vorjahr mehr als ein Drittel (im April 2020 sogar fast 50%). Ein wesentlicher Grund hierbei ist die Tatsache, dass Patienten auf sogenannte “kontrollorientierte Besuche” und Prophylaxe Maßnahmen (PZR) verzichteten… und dieses trotz höchster Hygienestandards und durchgängiger Erreichbarkeit der jeweiligen Praxen. Hinzu kommt, dass das Ausbleiben von privat Vollversicherten nicht durch Abschlagszahlungen abgefedert werden kann.

 

An dieser Stelle sind Praxiskommunikation und Außendarstellung jetzt wichtig. Die Menschen bzw. Patienten sind zu einem großen Teil verängstigt und verunsichert und fragen sich, ob sie zurzeit zum Zahnarzt gehen sollten, ob dieser überhaupt geöffnet hat und wie es in der Praxis mit der persönlichen Sicherheit wohl aussieht. Mit anderen Worten: Es ist absolut sinnvoll und notwendig, die Patienten über die eigene Praxissituation auf dem aktuellen Stand zu halten und so diesen bestehenden Ängsten und Unsicherheiten entgegen zu wirken.

 

Klären Sie ihre Patienten auf, gehen Sie ihnen entgegen und “holen Sie sie ab”… erläutern Sie (immer wieder) Ihre Hygienemaßnahmen. Schon 2018 war Hygiene laut einer damaligen Bertelsmann-Studie der zweitwichtigste Entscheidungsfaktor von Patienten für ihre Praxiswahl. Corona hat diese Gewichtung auf jeden Fall noch verstärkt. Deshalb ist es absolut wichtig, den Hygieneeinsatz in Ihrer Praxiskommunikation und Außendarstellung deutlich sichtbar zu machen. Dadurch vermitteln Sie Sicherheit, Professionalität und bauen Vertrauen auf. Wenn Sie dieses durch eine klare Bildsprache und “echte Persönlichkeiten” aus der Praxis darstellen, schaffen Sie direkt einen Wiedererkennungswert, wenn der Patient dann tatsächlich zu Ihnen in die Praxis kommt.

 

Erwähnen Sie Desinfektionen, Masken und wenn das Praxisteam geimpft ist – teilen Sie dieses ruhig mit einem Ausrufezeichen mit. Sensibilisieren Sie Ihre Mitarbeiter zum Thema und besprechen Sie Ihr angepasstes “Zeit- und Terminmanagement”, durch welches Sie “Patientenanballungen” im Wartebereich im Voraus vermeiden. Haben Sie veränderte Öffnungszeiten, kommunizieren Sie dieses. Behandeln Sie nur in einem eingeschränkten Spektrum oder ergreifen spezielle Hygienemaßnahmen? Dann teilen Sie dieses Ihren Patienten mit. Signalisieren Sie Bereitschaft, für entsprechende Fragen zur Verfügung zu stehen.

 

Auf diese Weise schaffen Sie Vertrauen, Kompetenz, geben Sicherheit und generieren auch Sympathie. Allesamt wichtige Punkte für die Zeichnung eines einheitlichen und funktionierenden Bildes der Praxis zur aktuellen, immer noch schwierigen Situation. Ein erkennbar professioneller Umgang mit dieser Krise wird Ihnen auch NACH der Krise gedankt werden.

 

Natürlich werden Patienten teilweise von sich aus auf Ihrer Praxis-Website nach aktuellen Informationen zur Lage suchen.

 

Es wäre allerdings ein Fehler, sich nur auf die Website zu verlassen, denn die größere Anzahl eventueller Patienten müsste ja zunächst einmal motiviert oder geführt werden, auf der Praxis-Website oder dem entsprechenden Social-Media-Kanal aufzutauchen.

 

Zum erfolgreichen Praxismarketing an sich, und genau dieses muss an dieser Stelle umgesetzt werden, gehört noch mehr. Ein bisschen aus der Mode gekommen aber durchaus funktionell ist die Informationsweitergabe durch die verschiedenen Printmedien. Eine ansprechende und professionelle Anzeige, welche den Patienten zunächst auf Ihre Website holt, ist der halbe Weg zum gewünschten Ergebnis. Zum einen, um nicht einfach abzuwarten, ob jemand sich von sich aus auf Ihrer Praxis-Website umschaut, sondern um gezielt dorthin zu führen und zum anderen, um überhaupt erst einmal im positiven Sinne “aus dem Rahmen zu fallen”. In diesem Zusammenhang sind neben den üblichen Anbietern der lokalen Tagespresse auch solche zu erwähnen und zu nutzen, welche in Magazinform beispielsweise monatlich oder anderen regelmäßigen Abständen erscheinen. Derartige Exemplare werden in fast allen Regionen verlegt und liegen in der Regel kostenlos aus bzw. werden verteilt. Auch Flyer in Form von Postwurfsendungen können an dieser Stelle durchaus effektiv und sinnvoll sein und entsprechende Reaktionen generieren.

 

Großflächige Plakatwände an stark frequentierten Positionen (Ampelanlagen, Kreuzungen etc.) und Beschriftungen an öffentlichen Nahverkehrsmitteln sind ebenfalls effektive und vor allem bezahlbare Werkzeuge, um “Traffic” auf der Internetseite zu generieren.

 

Was allerdings immer wieder auffällt: Viele der Praxis-Internetseiten sind alles andere als optimiert in ihrer angedachten Funktion zu bewerten. Bevor man Traffic auf solche Seiten holt, sollte man sich im Vorfeld noch einmal um dieses Konstrukt im Internet kümmern. Teilweise sind diese Websites immer noch viel zu “schwerfällig” in ihrer Aufbaurate (vor allem im mobilen Bereich) und auch die sogenannte Suchmaschinenoptimiertheit wird oft nicht wirklich berücksichtigt. Eine ansprechende Bildsprache ist leider auch häufig nicht bedacht und Texte im Internet weichen schon in ihrem Aufbau von Texten im Printmedienbereich ab.

 

Es gibt in der Regel immer Ansatzpunkte, welche zu einer Verbesserung in der gesamtheitlichen Funktionsweise führen können. “Gut beraten” ist derjenige, der sich in dieser speziellen Zeit mit diesen Details seiner Außendarstellung auseinandersetzt.

 

Thomas Loehr
Fachmarketing für zahnmedizinische Berufe
www.zm-praxismarketing.de

 

Quelle: www.bzaek.de/presse/presseinformationen/presseinformation/klartext-04-21


Umgang mit Opfern häuslicher Gewalt in der zahnärztlichen Praxis

Verletzungen im Bereich von Mund, Kiefer und Gesicht gehören zu den häufigsten Folgen häuslicher Gewalt. Betroffen sind oft die Lippen, die Zähne und der Kiefer. Charakteristische Verletzungen sind zum Beispiel

 

  • Zahntraumata wie Zahnrisse, -brüche und -absplitterungen,
  • Riss des Oberlippenbändchens, Verletzungen der Oberlippe,
  • Kieferfrakturen

die sich mit der Krankengeschichte des Patienten nicht vereinbaren lassen.

 

Der Zahnärztin und dem Zahnarzt kommt somit eine entscheidende Rolle beim Erkennen häuslicher Gewalt zu. Was ist zu tun?

 

  • Gibt es Hinweise auf Gewalteinwirkungen, sollte der Patient behutsam darauf angesprochen werden.
  • Fragen sollten dennoch klar und eindeutig formuliert sein.
  • In einem vertrauensvollen Gespräch kann vermittelt werden, dass es Unterstützungsangebote gibt.

 

Behandlung und Dokumentation
Eine gesonderte, über die zahnärztliche hinausgehende Dokumentation darf nur mit Einwilligung des Patienten erfolgen. Die – jederzeit widerrufbare – Einwilligung sollte schriftlich erfolgen und in der Akte abgelegt werden. Die auf mögliche Gewalteinwirkungen zurückzuführenden Verletzungen und deren Folgen sollten zeitnah, eindeutig und gerichtsverwertbar dokumentiert werden. Auch vom Patienten geschilderte Beschwerden (Beeinträchtigungen des Seh-/Hörvermögens, Schmerzen, u. a.) können schriftlich festgehalten werden. Eine Dokumentation kann im Fall einer Gerichtsverhandlung im Zusammenhang mit der Beweissicherung entscheidende Bedeutung haben.

 

Kinder und Jugendliche
Wenn es bei der Behandlung Anzeichen dafür gibt, dass das Wohl von Minderjährigen gefährdet sein könnte, sollte die Situation mit den Sorgeberechtigten, also meist den Eltern oder einem Elternteil, besprochen werden. Im Gespräch sollte – sofern der wirksame Schutz des Kindes oder des Jugendlichen dadurch nicht in Frage gestellt wird – auf Hilfsangebote aufmerksam gemacht werden. Im Fall eines ernstzunehmenden Verdachts und zum Schutz vor weiteren körperlichen und seelischen Schäden (Wiederholungsgefahr) darf der Zahnarzt die Polizei oder das Jugendamt benachrichtigen. Hier überwiegt der Kindesschutz.

 

Medizinische Kinderschutzhotline: 0800 – 192 1000
Die Medizinische Kinderschutzhotline ist ein Beratungsangebot für Angehörige der Heilberufe, Pflegekräfte und Mitarbeiter der Rettungsdienste bei Verdachtsfällen von Kindesmisshandlung, Vernachlässigung und sexuellem Kindesmissbrauch. Die Hotline ist bundesweit, kostenfrei und 24 Stunden erreichbar. Das Angebot wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gefördert.

 

Schweigepflicht
Zahnärzte unterliegen im Rahmen ihrer Berufsausübung der Berufsordnung und der ärztlichen Schweigepflicht (§ 203 Strafgesetzbuch [StGB]). Verweigert der erwachsene Patient eine Offenbarung, hat der Zahnarzt den Wunsch nach Schutz der Privatsphäre zu respektieren.

 

Schwere körperliche Misshandlungen mit Wiederholungsgefahr können – unter sorgfältiger Abwägung der Gesamtumstände – das Durchbrechen der ärztlichen Schweigepflicht gemäß § 34 StGB (Rechtfertigender Notstand) ermöglichen und rechtfertigen.

 

Quelle: bzaek.de/recht/haeusliche-gewalt

 


Abrechnungsempfehlung für die Histologie

Neuer Zuschlag für mikrometrische Messungen
Für mikrometrische Messung(en) mittels Resektionslinie(n) bzw. -schnittebene(n) eines Materials mittels Okularmikrometer bzw. digitaler Mikrophotographie und kalibrierter Messung an Mikroskopphotographien kann gem. einer Abrechnungsempfehlung der Bundesärztekammer vom 15.10.2020 (Veröffentlichung im Deutschen Ärzteblatt am 13.11.2020) die GOÄ-Nr. 4815 (Histologische Untersuchung und Begutachtung von Organbiopsien (z. B. Leber, Lunge, Niere, Milz, Knochen, Lymphknoten) unter Anwendung histochemischer oder optischer Sonderverfahren (Elektronen-Interferenz-Polarisationsmikroskopie) in analoger Weise in Rechnung gestellt werden.

 


Abrechnungsmodalitäten und Darstellung auf der Rechnung

Die Abrechnung gilt für bis zu drei Messungen und wird mit 350 Punkten vergütet.

 

Auf der Rechnung kann die Darstellung z. B. wie folgt aussehen:
GOÄ-Nr. 4815
Mikrometrische Messung(en) mittels Resektionslinie(n) bzw. -schnittebene(n) eines Materials mittels Okularmikrometer bzw. digitaler Mikrophotographie und kalibrierter Messung an Mikroskopphotographien
entsprechend § 6 (2) GOÄ analog:
Histologische Untersuchung und Begutachtung von Organbiopsien (z. B. Leber, Lunge, Niere, Milz, Knochen, Lymphknoten) unter Anwendung histochemischer oder optischer Sonderverfahren (Elektronen-Interferenz- Polarisationsmikroskopie)

 

Wie für die originale GOÄ-Nummer 4815, gilt auch bei analoger Abrechnung der „große Gebührenrahmen“ mit Abrechnungsfaktoren zwischen 1,0 bis 3,5. Eine Abrechnung bis zum 2,3fachen des Gebührensatzes ist ohne Begründung möglich (1,0 = 20,40 € / 2,3 = 46,92 € / 3,5 = 71,40 €).

 

Weniger als 3 Messungen?
Besondere Abrechnungs-Regelung beachten!

Werden weniger als drei mikrometrische Messungen durchgeführt, gelten für die Abrechnung der analogen GOÄ-Nummer 4815 besondere Maßgaben. Bei nur einer Messung darf nur ein Drittel der Gebühr berechnet werden; bei zwei Messungen sind es zwei Drittel.

Zur Vereinfachung empfiehlt die Bundesärztekammer die Rechnungslegung wie folgt abzubilden:
1 mikrometrische Messung = analoger Ansatz der GOÄ-Nr. 4815 0,35 Mal
2 mikrometrische Messungen = analoger Ansatz der GOÄ-Nr. 4815 0,7 Mal

 


Katarakt-Chirurgie –
Achslagenmarkierung und Messung der Achslage

 

Bei der Implantation torischer Intraokularlinsen kommt der Markierung und der Messung der Zielachse eine wesentliche Bedeutung zu. Denn nur eine möglichst genau positionierte Linse führt zum angestrebten postoperativen Ergebnis und damit der Zufriedenheit der Patienten.

 

Abrechnung sorgte für Auseinandersetzungen mit der PKV
Die Abrechnung dieser Leistung hat immer wieder für Auseinandersetzungen mit PKV-Unternehmen geführt. Unter Berufung auf § 4 (2a) GOÄ – „Zielleistungsprinzip“ war der Tenor, dass die Markierung und Messung der Achslage methodisch notwendiger Bestandteil der Katarakt-Operation im Sinne der GOÄ-Nummer 1375 (Extrakapsuläre Operation des Grauen Stars mittels gesteuerten Saug-Spül-Verfahrens oder Linsenkernverflüssigung (Phakoemulsifikation) gegebenenfalls einschließlich Iridektomie -, mit Implantation einer intraokularen Linse) sei. Dass dem nicht so ist, und die Abrechnung der Achslagen-Messung und -Markierung zusätzlich neben der GOÄ-Nummer 1375 möglich ist, wurde von Seiten des BVA (Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V.) schon seit Jahren vertreten.

 

Bundesärztekammer sorgt für Klarheit bei der Abrechnung
Mit der Veröffentlichung einer Abrechnungsempfehlung im Deutschen Ärzteblatt am 13. November 2020 hat sich die Bundesärztekammer klar für die Möglichkeit einer zusätzlich neben der Katarakt-Operation berechnungsfähigen GOÄ-Nummer für die Achslagen-Messung und -Markierung ausgesprochen. Empfohlen wird die analoge Abrechnung der GOÄ-Nummer 1250 (Lokalisation eines Fremdkörpers nach Comberg oder Vogt) für die „Markierung oder Messung der Achslage einer torischen intraokularen Sonderlinse“. Diese mit 273 Punkten ausgestattete Gebührennummer wurde auch vom BVA für die Analogabrechnung empfohlen.

 

Abrechnungsmodalitäten und Darstellung auf der Rechnung
Die Leistung gem. der analogen GOÄ-Nummer 1250 darf für die Markierung der Achslage am Operationstag 1x präoperativ und 1x intraoperativ für die Messung der Achslage der torischen Intraokularlinse abgerechnet werden.

 

Auf der Rechnung kann die Darstellung z. B. wie folgt aussehen:
GOÄ-Nr. 1250 Markierung oder Messung der Achslage einer torischen intraokularen Sonderlinse entsprechend § 6 (2) GOÄ analog: Lokalisation eines Fremdkörpers nach Comberg oder Vogt

 

Wie für die originale GOÄ-Nummer 1250, gilt auch bei analoger Abrechnung der „große Gebührenrahmen“ mit Abrechnungsfaktoren zwischen 1,0 bis 3,5. Eine Abrechnung bis zum 2,3fachen des Gebührensatzes ist ohne Begründung möglich (1,0 = 15,91 € / 2,3 = 36,60 € / 3,5 = 55,69 €).

 

Eine Dokumentation der Leistung in der Patientenakte bzw. im Operationsbericht ist, wie bei allen ärztlichen Leistungen, unerlässlich.

 


Corona und Einbruch bei präventiven Leistungen in Arztpraxen, mögliche Maßnahmen

Im Honorarverteilungsmaßstab (HVM) der Kassenärztlichen Vereinigungen sind einzelne Leistungen besonders interessant in der Durchführung und Abrechnung. Warum ist dies so?

 

Diese Leistungen werden gemäß HVM extrabudgetär vergütet und sind somit für Arztpraxen besonders wichtig und interessant.

 

Die KBV und das ZI haben einen Einbruch bei diesen Leistungen festgestellt und auch veröffentlicht, aber auch durch eigene Honoraranalysen lässt sich deutlich abbilden, dass seit Beginn der Corona Pandemie die Behandlungs- und Abrechnungszahlen massiv eingebrochen sind.

Welche Leistungen sind gemeint und betroffen?

  • Die Krebsvorsorgen (z.B. GOP 01731, 01760, 01761 EBM)
  • Die Gesundheitsuntersuchungen (z.B. GOP 01732, 01737 EBM)
  • Das Hautkrebsscreening (z.B. GOP 01745, 01746 EBM)
  • Kinder- und Früherkennungsuntersuchungen (z.B. GOP 01702 – 01723 EBM)

 

Was können Sie aktiv tun?

 

  • Motivieren Sie Ihre Patienten zur Vorsorge und sprechen Sie sie aktiv an. Legen Sie Infomaterial zu Vorsorge- und Impfleistungen in der Praxis aus.
  • Überprüfen Sie, welche Leistungen Sie gemäß Ihrer Qualifikation anbieten können und lassen Sie sich, sofern möglich, weitere Leistungen von der Kassenärztlichen Vereinigung genehmigen.
  • Um Früherkennungsuntersuchungen optimal in den Praxisalltag zu integrieren, können Sie ein entsprechendes Recall Management integrieren.
  • So haben Sie großen Einfluss auf die Motivation Ihrer Patienten, diese Untersuchungen in Anspruch zu nehmen.
  • Erinnern Sie Ihre Patienten gezielt an fällige Kontrolluntersuchungen. Dies geht schriftlich, telefonisch oder per SMS.
  • In vielen Praxissoftwaresystemen sind sogenannte Recall-Systeme implementiert, die Sie nutzen können.
  • Wichtig ist, dass der Patient ausdrücklich zustimmen muss, um an Kontrolluntersuchungen erinnert zu werden.
  • Aus Beweisgründen ist es zu empfehlen, sich das Einverständnis des Patienten hierfür schriftlich geben zu lassen.

 

Ein Muster der KBV zur RECALL Einverständniserklärung können Sie unter https://www.kbv.de/html/recall_management.php herunterladen.

 


SAPV: Verordnung spezialisierter ambulanter Palliativversorgung

Seit 2007 hat nach § 37b Sozialgesetzbuch V jeder, der an einer fortschreitenden, unheilbaren Krankheit leidet, die eine aufwendige Betreuung erfordert, Anspruch auf spezialisierte ambulante Palliativversorgung. Diese Form der Palliativversorgung beinhaltet neben ärztlichen und pflegerischen Leistungen auch die 24-stündige Bereitschaft sowie psychologische und soziale Betreuung. Um dies zu gewährleisten, wird die SAPV von Seelsorge-Einrichtungen, Sozialarbeitern oder auch ambulanten Pflegeteams erbracht.

 

Für unheilbar kranke Patienten mit komplexen Symptomen und einer Lebenserwartung von weniger als einem halben Jahr wurde im April 2007 die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherungen aufgenommen.

 

Die Verordnung erfolgt durch Vertragsärzte auf dem Formular 63.

 

Abrechnung in der GOÄ nicht geregelt
Während die Abrechnung für das Ausfüllen der Erstverordnung bei gesetzlich Krankenversicherten über die EBM-Nr. 01425 „Erstverordnung der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung [SAPV] gemäß der Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses nach § 37b SGB V“ geregelt ist, klafft für die Abrechnung der Leistungserbringung bei Privatversicherten eine Lücke in der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ). Das gleiche gilt auch für die Folgeverordnung der SAPV, die im EBM mit der Nr. 01426 aufgeführt ist, in der GOÄ aber kein Pendant hat.

 

Analogabrechnung notwendig
Bei der Verpflichtung des Arztes nach der GOÄ abrechnen zu müssen, entsteht somit die Berechtigung zu einer analogen Abrechnung gem. § 6 (2) GOÄ. Die Analogziffer muss nach Art, Kosten und Zeitaufwand mit der tatsächlich erbrachten Leistung als gleichwertig gelten können. Hierfür wäre nach Auffassung von A. Pieritz [ GOÄ-Ratgeber Deutsches Ärzteblatt 2020, 117/(49): A-2434/B-2050] eine analoge Abrechnung der GOÄ-Nr. 78 (Behandlungsplan für die Chemotherapie und/oder schriftlicher Nachsorgeplan für einen tumorkranken Patienten, individuell für den einzelnen Patienten aufgestellt) denkbar.

 

Erstverordnung SAPV
GOÄ-Nr. 78 Erstverordnung der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung [SAPV]
entsprechend § 6 (2) GOÄ analog:
Behandlungsplan für die Chemotherapie und/oder schriftlicher Nachsorgeplan für einen tumorkranken Patienten, individuell für den einzelnen Patienten aufgestellt.

 

Folgeverordnung SAPV
GOÄ-Nr. 78 Folgeverordnung der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung [SAPV]
entsprechend § 6 (2) GOÄ analog:
Behandlungsplan für die Chemotherapie und/oder schriftlicher Nachsorgeplan für einen tumorkranken Patienten, individuell für den einzelnen Patienten aufgestellt.

 

Abrechnungsmodalitäten und Darstellung auf der Rechnung
Wie für die originale GOÄ-Nummer 78, gilt auch bei analoger Abrechnung der „große Gebührenrahmen“ mit Abrechnungsfaktoren zwischen 1,0 bis 3,5. Eine Abrechnung bis zum 2,3fachen des Gebührensatzes ist ohne Begründung möglich (1,0 = 10,49 € / 2,3 = 24,13 € / 3,5 = 36,72 €).

 


Pflege in Deutschland – etwas Statistik

Zahl der Pflegebedürftigen steigt
Im Dezember 2019 waren in Deutschland 4,13 Millionen Menschen pflegebedürftig im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes (SGB XI). Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, hatte die Zahl der Pflegebedürftigen im Dezember 2017 bei 3,41 Millionen gelegen. Die starke Zunahme um 0,71 Millionen Pflegebedürftige (+21 %) ist zum großen Teil auf die Einführung des neuen, weiter gefassten Pflegebedürftigkeitsbegriffs zum 01.01.2017 zurückzuführen. Seither werden mehr Menschen als pflegebedürftig eingestuft als zuvor.

 

Pflegebedürftige

 

80 Prozent werden zu Hause versorgt
Vier von fünf Pflegebedürftigen (80 %, beziehungsweise 3,31 Millionen) wurden zu Hause versorgt. Davon wurden 2,33 Millionen Pflegebedürftige überwiegend durch Angehörige gepflegt. Weitere 0,98 Millionen Pflegebedürftige lebten ebenfalls in Privathaushalten und wurden zusammen mit oder vollständig durch ambulante Pflege- und Betreuungsdienste versorgt. Ein Fünftel der Pflegebedürftigen (20 %, beziehungsweise 0,82 Millionen) wurde in Pflegeheimen vollstationär betreut.

 

Pflegebedürftige nach Versorgungsart 2019

 

Im Vergleich zu Dezember 2017 ist die Zahl der in Heimen vollstationär versorgten Pflegebedürftigen konstant geblieben (+0,0 %). Die Zahl der zu Hause gepflegten Personen nahm dagegen um 710 000 zu (+27 %).

 

Pflegequote nach Altersgruppen 2019

 

Ende 2019 waren 80 % der Pflegebedürftigen 65 Jahre und älter, mehr als ein Drittel (34 %) war mindestens 85 Jahre alt. Die Mehrheit der Pflegebedürftigen war weiblich (62 %).

 

Risiko für die Pflegebedürftigkeit steigt
Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, pflegebedürftig zu sein. Während bei den 70- bis 74-Jährigen rund 8 % pflegebedürftig waren, wurde für die ab 90-Jährigen die höchste Pflegequote ermittelt: Der Anteil der Pflegebedürftigen an der Bevölkerung in diesem Alter betrug 76 %. Aufgrund der weiteren Alterung der Gesell schaft erwarten Prognosen und Voraus berech nungen auch für die nächsten Jahre eine Zunahme der Zahl der Pflege bedürftigen und weiter steigenden Versorgungs bedarf.

 

In den Prognosen der letzten Jahre ist der Effekt durch den neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff häufig noch nicht vollständig berücksichtigt.

 

Text und Bildquellen: www.destatis.de

 


Der schleichende Tod des Telefax

Spätestens seit Inkrafttreten der DSGVO am 25. Mai 2018 muss sich auch die (Zahn-)Arztpraxis zunehmend mit Thema Datensicherheit und Verschlüsselung bei der elektronischen Übermittlung von personenbezogenen Daten auseinandersetzen. Die Konferenz der unabhängigen Datenschutzaufsichtsbehörden des Bundes und der Länder – kurz Datenschutzkonferenz (DSK) – hat sich im Mai 2020 für das grundsätzliche Erfordernis einer obligatorischen Transportverschlüsselung ausgesprochen. Verantwortliche, die E-Mail-Nachrichten mit personenbezogenen Daten versenden, bei denen ein Bruch der Vertraulichkeit ein normales Risiko für die Rechte und Freiheiten von natürlichen Personen darstellt, müssen nach Auffassung der Konferenz der unabhängigen Datenschutzaufsichtsbehörden des Bundes und der Länder– kurz Datenschutzkonferenz (DSK) eine obligatorische Transportverschlüsselung sicherstellen.

 

Verantwortliche, die E-Mail-Nachrichten versenden, bei denen ein Bruch der Vertraulichkeit von personenbezogenen Daten im Inhalt der Nachricht ein hohes Risiko für die Rechte und Freiheiten von natürlichen Personen darstellt, sollen darüber hinaus regelmäßig eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und eine qualifizierte Transportverschlüsselung vornehmen müssen. Nach Auffassung der DSK gilt dabei: Die Vertraulichkeit und Integrität der über den E-Mail-Dienst geführten (zahnärztlichen) ärztlichen Kommunikation muss unter Berücksichtigung des Stands der Technik über eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zwischen den Kommunikationsteilnehmern gewährleistet werden.

 

Viele Praxen und auch Anwaltskanzleien sind im Hinblick auf die Komplexität der E-Mail-Verschlüsselung und der Schwierigkeiten mit der Implementierung und vermeintlich fehlenden Akzeptanz einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung im Praxisalltag wieder auf eine bewährte Technologie aus den 1970er Jahren ausgewichen – das Telefax. Diesem wurde so noch einmal neues Leben eingehaucht. Doch die damit angestrebte Rechtssicherheit ist trügerisch und es besteht dringender Anlass für den Kommunikationsverkehr rechtssichere Alternativen zum Fax zu suchen. Bei der früheren Analog/ISDN-Technologie wurden alle Informationen des Faxes kontinuierlich auf einem zuvor definierten, konstanten Übertragungsweg zum Empfänger übermittelt. Bei der spätestens seit 2019 überall zur Anwendung kommenden All-IP-Technologie werden jedoch alle Informationen des Faxes in verschiedene Pakete gepackt, die unverschlüsselt ihren Weg über das Internet zum Empfänger nehmen.

 

Die Landesdatenschutzbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit der Freien Hansestadt Bremen hat in ihrem „2. Jahresbericht nach der Europäischen Datenschutzgrundverordnung“ (abrufbar unter https://www.datenschutz.bremen.de/publikationen/jahresberichte-7242) die Auffassung vertreten, dass die Übermittlung per Fax inzwischen wie die Übermittlung durch eine unverschlüsselte E-Mail bewertet werden muss, weil beide Verfahren IP-basierte Telekommunikationsnetze nutzen, sodass die Sicherheitsstufe bei unverschlüsselter Übermittlung identisch ist und zudem auf folgende Sicherheitsprobleme hingewiesen:

 

„Galt ein Telefax noch vor einigen Jahren als relativ sichere Methode, um auch sensible personenbezogene Daten zu übertragen, so hat sich diese Situation grundlegend geändert: Sowohl bei den Endgeräten als auch den Transportwegen gab es weitreichende Änderungen. Bisher wurden beim Versand von Faxen exklusive Ende-zu-Ende-Telefonleitungen genutzt. Technische Änderungen in den Telefonnetzen sorgen jetzt dafür, dass keine exklusiven Leitungen mehr genutzt werden, sondern die Daten paketweise in Netzen transportiert werden, die auf Internet-Technologie beruhen.

 

Zudem kann nicht mehr davon ausgegangen werden, dass an der Gegenstelle der Faxübertragung auch ein reales Fax-Gerät existiert. Meist werden Systeme genutzt, die ankommende Faxe automatisiert in eine E-Mail umwandeln und diese dann an bestimmte E-Mail-Postfächer weiterleiten. Aufgrund dieser Umstände hat ein Fax hinsichtlich der Vertraulichkeit das gleiche Sicherheitsniveau wie eine unverschlüsselte E-Mail (welche oftmals mit der offen einsehbaren Postkarte verglichen wird). Fax-Dienste enthalten keinerlei Sicherungsmaßnahmen um die Vertraulichkeit der Daten zu gewährleisten. Sie sind daher in der Regel nicht für die Übertragung personenbezogener Daten geeignet.

 

Für die Übertragung besonderer Kategorien personenbezogener Daten gemäß Artikel 9, Absatz 1 der Datenschutzgrundverordnung ist die Nutzung von Fax-Diensten unzulässig. Für den Versand personenbezogener Daten müssen daher alternative, sichere und damit geeignete Verfahren, wie etwa Ende-zu-Ende verschlüsselte E-Mails oder – im Zweifel – auch die herkömmliche Post genutzt werden.”

 

Diese Auffassung, die auch von der Landesbeauftragen für Datenschutz und Informationsfreiheit Nordrhein-Westfalen (LDI NRW) geteilt wird, ist mit Beschluss vom 22.07.2020, 11 LA 104/19 des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Lüneburg nun erstmals auch durch die Justiz bestätigt worden.

 

Für die Übertragung besonderer Kategorien personenbezogener Daten im Sinne des Art. 9 Abs. 1 DSGVO zu denen insbesondere Gesundheitsdaten gehören, dürfte das Ende des Telefax daher nun endgültig gekommen sein. Arzt- und Zahnarztpraxen sollten bei der Praxiskommunikation daher zukünftig auf eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von E-Mails zurückgreifen, wenn sie nicht zur langsamen Briefpost zurückkehren wollen.

 

Oliver Graf
Rechtsanwälte Semsi | Graf | Buchmüller-Reiss
Partnerschaftsgesellschaft mbB

 


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