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Magazin up date 04/2017

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Vorfreude ist die schönste Freude!

 

Bewegung ist Veränderung. Wir bewegen uns laufend und wir haben viel vor. Nächstes Jahr wird ein entscheidendes Jahr für uns sein, denn wir ziehen um in unseren Neubau in Radolfzell. Das wird sicher Turbulenzen geben – schon jetzt benötigt dieses Projekt einen Großteil unserer Energie. Aber es wächst und wir können täglich sehen, dass es sich lohnt und die Entscheidung, ein solch großes Projekt in Angriff zu nehmen, die richtige war.

 

Es entstehen rund 1700 m2 Bürofläche, mehr als das doppelte der Möglichkeiten, die wir bisher zur Verfügung hatten. Barrierefrei und energetisch hocheffizient mit Geothermie- und Fotovoltaikanlagen ausgerüstet, bietet es dann Platz für 100 Mitarbeiter. Auf dem Gelände ist dann noch Platz für einen weiteren Neubau – alles ist auf eine aussichtsreiche Zukunft ausgerichtet und alle Zeichen stehen auf gutes Gelingen und einen Umzug Ende Juli 2018. Doch bis dahin geht noch Zeit ins Land und wir müssen uns trotz unserer Vorfreude gedulden.

 

Das Warten auf den Umzug wird unser persönlicher Adventskalender. Mit der Vorfreude und der Zeit an sich ist es ja so eine Sache: Einmal scheint die Zeit zu fliegen, ein andermal scheint sie zu kriechen wie eine Schnecke und zäh zu sein wie alter Kaugummi … Dann gibt es Momente, an denen man sie sofort und gleich hinter sich bringen möchte, und in besonders schönen Tagen mag man sie festhalten, gar unvergessen machen.

 

Egal welchen Wunsch Sie gerade an Ihre Zeit haben – wir wünschen Ihnen ausschließlich glückliche und unvergessene Momente: eine gesunde Familie, freundliche Patienten und eine stets gute Stimmung in einem zugewandten Umfeld – denn was könnte besser sein?

 

Die guten Wünsche sind auch Anlass für uns, Ihnen unseren Dank für Ihr Vertrauen und die gute Zusammenarbeit im vergangenen Jahr auszusprechen. Wir freuen uns auf eine weiterhin für beide Seiten gute und erfolgreiche Zusammenarbeit!

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Manfred Reiss
Geschäftsführer
Michael Reiss
Geschäftsführer

 


Aus dem Inhalt

 


Erste Hilfe – ein Thema, nicht nur für Kinder
Die pvs-mefa Reiss hilft mit einem Arbeitsbuch für Grundschulen

 

Jährlich werden in Deutschland Tausende Menschen durch die Folgen von Unfällen teilweise schwer verletzt. Bei solchen Notfällen kommt es darauf an, sofort mit „Erste-Hilfe-Maßnahmen“ zu beginnen und die Zeit bis zum Eintreten des professionellen Rettungsdienstes zu überbrücken. So können durch relativ einfache Maßnahmen Schmerzen und Leid gelindert und eventuell sogar schwerwiegende gesundheitliche Schäden abgewendet werden.

 

Eine wichtige Rolle spielen dabei die Rettungshubschrauber, denn sie sind oft um ein vielfaches schneller vor Ort. Zum Rettungshubschrauber „Christoph 13“ und dem Rettungsteam aus Bielefeld besteht von Seiten unseres Büros in Minden eine persönliche Verbindung. Seit über 40 Jahren ist der Rettungshubschrauber im Bereich Ostwestfalen-Lippe und weit darüber hinaus im Einsatz. Oft sind es schwere Erkrankungen oder Unfälle, die seine Einsätze nötig machen.

 

Schnell sind die Retter aus der Luft zur Stelle und doch kommt es für eine erfolgreiche Rettung darauf an, dass „Erste Hilfe“ bereits vor der Landung des „Orangenen Engels“ geleistet wurde. Diese Kenntnisse wurden uns als „Erste-Hilfe-Kurs“ vor der Fahrprüfung vermittelt – und seien Sie ehrlich – wissen Sie noch was zu tun ist?

 

Unvergleichlich schlimmer ist es für Kinder, die an Unfällen beteiligt sind oder Unfallopfer auffinden. Oft haben Kinder während einer Unfallsituation das Bedürfnis helfen zu wollen oder sogar zu müssen. Dabei haben gerade die meisten Kinder noch keine Erfahrung mit der Ersten-Hilfe sammeln können. Und so haben die Mitarbeiter der Luftrettungsstation Christoph 13, die neben ihrer hauptamtlichen Arbeit noch ehrenamtlich im Förderverein engagiert sind mit dem K & L Verlag Detmold ein kindgerecht geschriebenes und von Andi Wolf illustriertes Büchlein entworfen. Damit kann die Motivation der Kinder, helfen zu wollen, unterstützt werden. Es entstand ein Buch, das einfach und verständlich zeigt, was Erste Hilfe ist und was man auch als „kleiner Ersthelfer“ tun kann, um in einer Notsituation richtig zu handeln.

 

Dieses Büchlein wird kostenfrei an interessierte Grundschulen abgegeben und durch die pvsmefa Reiss mitfinanziert. Es konnten bereits rund 40.000 Hefte kostenfrei an die Grundschüler verteilt werden. Die positive Rückmeldung von Seiten der Schüler, Lehrer und auch Eltern ist enorm. Wir freuen uns, dass wir mithelfen konnten!

 


Begründungen für Faktorsteigerungen: So nicht!

 

Immer noch auf Platz 1 der teilweise nicht erstatteten Liquidationen stehen die „nicht personenbezogenen Begründungen“, die „nicht ausreichenden Begründungen“ sowie „fehlende Begründungen“. Bei der Erstattung von Rechnungen, in denen zahnärztliche Leistungen mit einem höheren als dem 2,3fachen Gebührensatz abgerechnet werden, gibt es immer wieder Probleme mit Beihilfestellen. Meist wird moniert, dass die Begründung für den erhöhten Steigerungsfaktor nicht in der Person des Patienten liege (patientenbezogen) oder die Behandlung nicht vom Typischen und Durchschnittlichen erheblich abweiche (Charakter einer Ausnahme).

 

Aus dieser Veröffentlichung geht auch hervor, dass die Beihilfe – auch wenn die Rechnung korrekt erstellt ist – ggf. nur einen Teil der Rechnung erstattet und dem Beihilfeempfänger den nicht erstatteten Kostenanteil zur Begleichung überlässt.

 

Das bedeutet, dass Beihilferichtlinien ausschließlich für die Erstattung durch die Beihilfestelle maßgeblich sind, nicht aber für die Liquidation. Es gibt sogar mehrere obergerichtliche Urteile, die eine „Beihilfegünstige“ Liquidation ausdrücklich untersagen.

 

Nachfolgend stellen wir einige Beispiele vor, wie unserer Meinung nach Begründungen für den erhöhten Steigerungssatz aussehen könnten.

 

  • Überdurchschnittlicher Zeitaufwand bei Frau XY aufgrund starken Hustenreizes kam es zu häufigen Behandlungsunterbrechungen und damit verbundener Neupositionierung der Instrumente.
  • Überdurchschnittlicher Zeitaufwand bei Herrn XX wegen häufigen Niesreizes aufgrund Heuschnupfen.
  • Überdurchschnittliche Umstände wegen eingeschränkter Mundöffnung aufgrund Lippenherpes und damit verbundenem eingeschränktem Allgemeinbefinden.
  • Überdurchschnittlicher Schwierigkeitsgrad und Zeitaufwand wegen übermäßiger Blutung aufgrund der Einnahme von Marcumar.
  • Überdurchschnittlicher Zeitaufwand wegen Beurteilung und Berücksichtigung von Fremdbefunden in Diagnostik und Therapie aufgrund z.B. Chemotherapie bei Mammakarzinom.
  • Überdurchschnittlicher Schwierigkeitsgrad und Zeitaufwand bei Frau YY aufgrund schlechter Lagerung und Lichtverhältnisse im Bett. (Besuche).

 

Begründungen, die in der Regel keine Überschreitung des 2,3fachen Gebührensatzes rechtfertigen:

 

  • Leistungserbringung außerhalb der Sprechzeiten oder an Sonnund Feiertagen
  • multidimensionale diagnostische und therapeutische Schwierigkeiten
  • differential-diagnostische Schwierigkeiten bei der Auswertung
  • schwierige Präparation
  • Anwendung neuerer technischer oder aufwändiger Verfahren oder besonders teuerer medizinischer Großgeräte
  • Arbeiten im Backenzahnbereich
  • geringe Mundöffnung
  • gekrümmte oder enge Wurzelkanäle
  • motorische Unruhe, große Angst
  • Wurzelkaries
  • Erschwerung durch Vorpräparation
  • schwierige Farbgestaltung durch vorhandene Kronen und Brücken
  • überdurchschnittlich schwierige Separation
  • verlängerte Einsatzzeit
  • computergestützte Verfahren
  • außerordentlich erschwerte Kieferumformung auf Grund ausgeprägtem Zungenpressen
  • sehr erschwerte Kieferumformung von orofacialen Dyskinesien
  • deutlich erschwerte Einstellung in den Regelbiss auf Grund asymetrischer Distalbisslage
  • extremer Zahnengstand
  • Pfeilerdivergenzen
  • starke Wurzeleinziehungen und damit einhergehende ungünstige Präparationsgrenze
  • überhöhter Schluckmodus und übermäßiger Speichelfluss
  • muskuläre Verspannungen
  • schwere Okklusionsstörung mit exzessivem Bruxismus
  • Totalverlust der Stützzone
  • Eingliederung einer Verblendkrone

 


Extrahieren, Replantieren, Extrudieren, Implantieren
(Extrusionstherapie nach Dr. Stefan Neumeyer)

 

Die Philosophie der Replantation und Extrusion von Wurzelsegmenten ist der Erhalt und die Regeneration alveolärer Gewebestrukturen:

 

  • Durch die Replantation wird der Erhalt alveolärer Strukturen erreicht
  • Das Ziel der Extrusion ist die Koronalbewegung von alveolären Strukturen
  • Das Behandlungskonzept ist logisch, einfach und effizient
  • Das Instrumentarium ist übersichtlich und elegant

 

Bei der Replantation und Extrusion von Wurzelsegmenten wird das biologische Potenzial des supraalveolären Faserapparates und des parodontalen Ligamentes genutzt. Die Behandlungsschritte sind minimal-invasiv, zeitsparend und schonend für den Patienten. Auf chirurgische Maßnahmen kann weitgehend verzichtet werden.

 

Wenn ein Zahn extrahiert werden muss, der noch über ein zirkulär intaktes parodontales Ligament verfügt, kann ein Segment dieser Wurzel replantiert werden. Hierbei wird, nach schonender Extraktion des Zahnes, ein Anteil der Wurzel reseziert und in die Alveole replantiert.

 

Bei absoluter Ruhigstellung des Segmentes kommt es zu einer Wiederanheftung der parodontalen Fasern innerhalb weniger Tage. Bei einem nicht formkongruenten Segment sollte die Wartezeit erhöht werden.

 

Die stabil eingeheilten Segmente können dann zur anschließenden Extrusion vorbereitet werden. Die Replantation des Wurzelsegmentes verhindert die Resorption der bukkalen Knochenlamelle und die anschließende Extrusion erzeugt einen vertikalen Hart- und Weichgewebegewinn. Dieses zusätzliche Gewebevolumen ist besonders wertvoll im ästhetisch anspruchsvollen Bereich, verbessert aber auch für jede implantatprothetische Rekonstruktion die Langzeitprognose.

 

Nach erfolgreicher Extrusion des Segmentes sollte eine Knochenreifungszeit bis zur Implantation von 6-8 Wochen im Unterkiefer und 10-12 Wochen im Oberkiefer eingehalten werden. Die nachfolgende Implantation kann dann im vollständig erhaltenen knöchernen Alveolarfortsatz ohne weitere augmentative Massnahmen stattfinden.

 

Die Extrusionstherapie ist eine wertvolle Ergänzung im Sinne einer optimierten Implantatlagergestaltung.

 

Auch ein Zahn mit einem parodontalen Defekt kann über eine Extrusion der ganzen Wurzel zur Gestaltung eines perfekten Implantatlagers beitragen. Die Extrusion findet immer mit maximal möglichen Kräften statt! Aufgrund der orthodontischen Kräfte und der Einwirkzeit der Extrusion muss bei einer in toto extrudierten Wurzel eine Wartezeit bis zur Implantation von 4 – 6 Monaten eingehalten werden.

 

Die Extrusionstherapie basiert auf biologischen Gesetzmässigkeiten und ermöglicht ein vorhersagbares, langzeitstabiles Behandlungsergebnis zu erreichen.

 


Dental Talk: Sie fragen und wir antworten!

 

Löst eine Abdrucknahme mit Prothese die GOZ 5180/5190 aus?
Ja, wird im Zusammenhang mit Unterfütterungsmaßnahmen die vorhandene Prothese zu einem individuellen Löffel umgestaltet (z. B. durch Rand- oder Basiskürzung/-veränderung) und damit eine funktionelle Abformung vorgenommen.

 

Wie wird das Entfernen einer alten Wurzelfüllung berechnet?
1. Berechnungsmöglichkeit
Als Gebührenposition kann die GOZ 2410 herangezogen werden. Ein höherer Aufwand kann bei der Bemessung des Steigerungsfaktors gemäß § 5 Abs. 2 GOZ berücksichtigt werden.
2. Berechnungsmöglichkeit
Die Leistung Entfernung von vorhandenem Wurzelfüllmaterial im Rahmen einer Revision ist laut BZÄK als „Analog-Leistung“ berechnungsfähig.

 

Kann das Entfernen eines frakturierten Wurzelkanalinstruments analog berechnet werden?
Ja, muss vor der Wurzelkanalbehandlung ein vorhandenes frakturiertes Wurzelkanalinstrument (Revision) intrakanalär entfernt werden, kann das Entfernen als selbstständige Leistung zusätzlich analog berechnet werden.

 

Ist die GOÄ 2382 nur außerhalb des Mundes berechenbar?
Nein, Hautlappenplastiken nach den Geb.-Ziffern 2381 bzw. 2382 GOÄ können auch an der Mundschleimhaut erbracht und berechnet werden.

 

Ist man im Rahmen der Honorarvereinbarung an den vereinbarten Steigerungssatz gebunden?
Ja, wenn man eine Gebührenvereinbarung gem. § 2 Abs. 1 und 2 getroffen hat, so kann der vereinbarte Steigerungssatz nicht überschritten werden. Ein Unterschreiten ist indes jederzeit möglich.

 

Wie kann die Wiederherstellung einer Primär-/Sekundärkrone abgerechnet werden?
Teleskopkronen (Primär-/Sekundärkrone) stellen eine Einheit dar und sind daher dem festsitzenden Zahnersatz zuzuordnen, deshalb kann die Wiederherstellung (gleich welcher Art) einer Primär- und/oder einer Sekundärkrone ebenfalls nach der GOZ 2320 berechnet werden.

 


Honorarverluste vermeiden!

 

Das Teuerste in einer Praxis ist die Zeit des Behandlers.
Alles was zu einer Entlastung und damit zu einem Zeitgewinn führt, ist aus wirtschaftlicher Sicht profitabel. Eine Steigerung der Wirtschaftlichkeit kann nur durch vollständige Dokumentation erreicht werden, denn:

 

Nur dokumentierte Leistungen sind auch abrechenbar!

 

Dies zeigt erneut, wie wichtig die lückenlose und beweiskräftige Dokumentation ist – und zwar nicht nur im Falle einer Wirtschaftlichkeitsprüfung, sondern auch zur Vermeidung von Honorarverlusten. Ob eine Leistung tatsächlich erbracht, jedoch nicht als abrechenbare BEMA Leistung eingetragen wurde, kann nur durch eine gute Dokumentation festgestellt werden. Ist dies versäumt worden, darf die Leistung selbstverständlich nicht nur aufgrund der Plausibilität abgerechnet werden.

 

Falls Karteikarte und Abrechnungsunterlagen nicht übereinstimmen, drohen Sanktionen und Honorarrückforderungen. Und: Die Fehler des Personals sind immer dem Zahnarzt zuzurechnen. Bei doppelter Dokumentation (EDV und Karteikarte) müssen handschriftliche Aufzeichnungen als vollständige Dokumentation verfasst werden, während die elektronischen Aufzeichnungen sich dann auf die Abrechnungsziffern beschränken können, die aber stets mit den handschriftlichen Aufzeichnungen übereinstimmen müssen. Es muss auch dokumentiert werden, was Hintergrund der durch den Zahnarzt angesetzten Ziffern war, wie z.B. die Dokumentation des physischen Befundes. Die Eintragungen müssen nicht vom ZA/ZÄ selbst vorgenommen werden, er kann diese Aufgabe delegieren. Allerdings ist der ZA/ZÄ verpflichtet, Richtigkeit und Vollständigkeit zu überwachen.

 

Abrechnungsanalysen zeigen, dass der Honorarverlust einer durchschnittlichen Praxis sich sehr auf das Jahresendergebnis auswirken kann. Nebenstehende Tabelle gibt da weiteren Aufschluss.

 

Denken Sie daran: Eine bessere Abrechnungssystematik und eine verbesserte Dokumentation durch regelmäßige Fortbildung lässt den Umsatz steigern, ohne dass in der Praxis große Umstrukturierungen oder Investitionen notwendig werden.

 


GOZ-Auslegung – fünf neue Beschlüsse des GOZ-Beratungsforums

 

Seit 2013 gibt es das „Beratungsforum für Gebührenordnungsfragen“. Das mit Vertretern der BZÄK, der PKV und von Beihilfestellen besetzte Gremium arbeitet daran, Rechtsunsicherheiten im Umgang mit der GOZ 2012 zu beseitigen und Auslegungen der GOZ einvernehmlich zu beantworten. Die Beschlüsse sind zwar rechtlich unverbindlich, werden aber i.d.R. von Kostenerstattern anerkannt, zumal die Kostenerstatter im Gremium vertreten sind. Aktuell hat sich das Forum auf fünf neue Beschlüsse geeinigt:

 

Beschluss 22: Computergesteuerte Anästhesie
Die computergesteuerte Anästhesie (z. B. The Wand) erfüllt trotz modifizierter Handhabung die Leistungsinhalte der GOZ-Nrn. 0090 oder 0100 und ist je nach Lokalisation und Indikation originär nach den GOZ-Nrn. 0090 für die Infiltrationsanästhesie (dazu zählen auch die intraligamentäre, intrakanaläre, intrapulpäre und intraossäre Anästhesie) oder 0100 für die Leitungsanästhesie zu berechnen. Hinweis: Eine Analogabrechnung für diese Anästhesiemethode ist nach dem aktuellen Beschluss der BZÄK nicht mehr möglich. Das Anästhetikum darf zusätzlich berechnet werden.

 

Beschluss 23: Berechnung je Kieferhälfte oder Frontzahnbereich Im Falle der Berechnungsweise je Kieferhälfte oder je Frontzahnbereich einer Gebühr ist zu berücksichtigen, dass der Frontzahnbereich nur Anwendung findet, wenn die Leistung im Bereich von Eckzahn bis Eckzahn durchgeführt wird. Geht der Bereich über den Eckzahn hinaus, so wird nach Kieferhälften (Quadranten) berechnet. Eine Berechnungsweise je Frontzahnbereich und je Kieferhälfte ist nicht zulässig.

 

Beispiel: für Einfach- und Mehrfachberechnung der GOZ-Nr. 0080
Die intraorale Oberflächenanästhesie darf je Kieferhälfte oder Frontzahnbereich einmal berechnet werden. Wird beispielsweise in einer Sitzung an den Zähnen 22 und 25 eine Oberflächenanästhesie erbracht, so ist die GOZ-Nr. 0080 nur einmal berechenbar, da es eine Kieferhälfte betrifft. Ähnliches gilt für die Oberflächenanästhesie an den Zähnen 13 und 23. Auch hier ist die Berechnung nur einmal möglich. Der Frontzahnbereich definiert sich über die Zähne 13-23 und 33-43. Erbringen Sie jedoch an den Zähnen 11 und 26 eine Oberflächenanästhesie, so ist die Nr. 0080 zweimal berechnungsfähig, da es sich um zwei getrennte Kieferhälften handelt.

 

Beschluss 24: Berechnungsweise der GOZ-Nr. 2030
Für die GOZ-Nr. 2030 gilt: Wird in allen vier Kieferhälften präpariert und gefüllt und sind daneben jeweils besondere Maßnahmen erforderlich, kann die GOZ-Nr. 2030 in einer Sitzung maximal achtmal berechnet werden (viermal im Oberkiefer, viermal im Unterkiefer).“

 

Beispiel: Nach der GOZ-Nr. 2030 dürfen besondere Maßnahmen beim Präparieren oder Füllen von Kavitäten (z.B. Separieren, Beseitigen störenden Zahnfleisches, Stillen einer übermäßigen Papillenblutung) je Kieferhälfte oder Frontzahnbereich berechnet werden. Laut der Abrechnungsbestimmung zur Nr. 2030 ist diese Leistung je Sitzung für eine Kieferhälfte oder einen Frontzahnbereich je einmal beim Präparieren und einmal beim Füllen berechnungsfähig. Wird z.B. während der Präparation an Zahn 16 störendes Zahnfleisch beseitigt, um unter sich gehende Stellen besser zu erkennen bzw. darzustellen, und im Anschluss daran eine übermäßige Blutung gestillt, so ist die GOZ-Nr. 2030 zweimal für den Zahn 16 berechnungsfähig. Werden in allen vier Quadranten diese oder andere in der Leistungsbeschreibung genannte Leistungen erbracht, so darf die Nr. 2030 bis zu maximal achtmal berechnet werden. Es empfiehlt sich, ein Hinweis auf die unterschiedlichen Maßnahmen auf der Rechnung zu vermerken.

 

Beschluss 25: Zugriff auf die GOÄ für MKG-Chirurgen
Erbringen Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgen Leistungen, die im Gebührenverzeichnis für zahnärztliche Leistungen aufgeführt sind, sind die Vergütungen für diese Leistungen nach der jeweils geltenden Fassung der GOZ zu berechnen. Ein Wahlrecht zwischen GOÄ und GOZ besteht insoweit nicht.“
Hinweis: MKG-Chirurgen haben kein Wahlrecht zwischen GOÄ und GOZ, sofern in der GOZ eine Position für die erbrachte Leistung vorhanden ist. Das gilt auch dann, wenn in der GOÄ eine ähnliche – möglicherweise höher bewertete – Position existiert. Gibt es in der GOZ keine vergleichbare Position, so darf die GOÄ zur Berechnung herangezogen werden.

 

Beschluss 26: GOÄ-Nr. 5000
Von der GOÄ-Nr. 5000 ist die Aufnahme eines Zahns, Implantats oder zahnlosen Kieferabschnitts je Projektion umfasst. Die Abrechnungsbestimmung nach der GOÄ-Nr. 5000 ist zu beachten.
Hinweis: Die GOÄ-Nr. 5000 gilt sowohl für Röntgenaufnahmen eines Implantats als auch für den Bereich eines zahnlosen Kiefers. Es gilt der reduzierte Gebührenrahmen. Die GOÄ-Nr. 5000 ist je Projektion berechenbar. Werden mehrere Zähne durch eine Aufnahme erfasst, so darf die Nr. 5000 nur einmal und nicht je aufgenommenem Zahn/Implantat berechnet werden.

 

Quelle: BZÄK

 


Der Arztbrief –
Haben Ihre Patienten auch Probleme mit der Erstattung?

 

Beanstandungen durch PKV-Unternehmen
In jüngster Zeit häufen sich die Probleme bei der Erstattung der GOÄ-Nr. 75 für den Arztbrief. Beanstandet wird von Seiten der PKV-Unternehmen insbesondere eine angeblich fehlende „medizinische Notwendigkeit“ für die Erbringung und Abrechnung der Leistung.

 

Nicht einknicken, sondern dagegen halten!
Keinesfalls sollte im Falle einer Reklamation klein beigegeben werden. Verzichten Sie nicht auf Ihr Honorar, wenn es Ihnen nach den Vorgaben der GOÄ rechtmäßig zusteht! Die folgenden Ausführungen sollen Ihnen helfen, diesen Sachverhalt sicher für die eigene Praxis beurteilen zu können.

 

Leistungsinhalt muss vollständig erbracht sein Zunächst ist zu prüfen, ob der Leistungsinhalt der GOÄ-Nr. 75 vollständig erbracht worden ist. Hilfreich ist hierbei der Abgleich mit dem Leistungstext der Abrechnungsnummer im Gebührenverzeichnis der GOÄ: GOÄ-Nr. 75 – Ausführlicher schriftlicher Krankheits- und Befundbericht (einschließlich Angaben zur Anamnese, zu dem(n) Befund(en), zur epikritischen Bewertung und gegebenenfalls zur Therapie) Der Textierung ist zu entnehmen, dass die Leistung sowohl obligate als auch fakultative Leistungsbestandteile enthält. Demnach müssen die folgenden Inhalte in jedem Fall erfüllt sein:

1. Angaben zur Anamnese
2. Angaben zu dem(n) Befund(en)
3. Angaben zur epikritischen Bewertung.

Im Gegensatz dazu gehören die Angaben zur Therapie zu den nicht zwingend notwendigen Leistungsinhalten; erkennbar durch den Zusatz „gegebenenfalls“. Fehlen aber beispielsweise die Angaben zur Anamense, kann die Leistung nicht abgerechnet werden.

 

GOÄ-Nr. 75 nicht für einfache Befundberichte
Der „einfache Befundbericht“ kennzeichnet sich dadurch, dass die drei für die Abrechnung notwendigen Hauptinhalte unvollständig sind. Insbesondere mangelt es häufig an den „Angaben zur epikritischen Bewertung“. Die GOÄ-Nr. 75 vergütet keine Befundberichte, seien diese auch noch so ausführlich, sondern Krankheits- und Befundberichte! Damit ist klar, dass der Verordnungsgeber bei Erlass der Gebührenordnung v. a. Wert auf die Epikrise gelegt hat, welche den Verlauf einer Krankheit, von der ersten Konsultation über einen längeren Zeitraum beschreibt.

 

Auch hierfür finden sich an verschiedenen Stellen der Gebührenordnung entsprechende Hinweise: Zur GOÄ-Nr. 75: „Die Befundmitteilung oder der einfache Befundbericht ist mit der Gebühr für die zugrundeliegende Leistung abgegolten.“

 

In den Allgemeinen Bestimmungen vor Abschnitt M GOÄ – Laboratoriumsuntersuchungen:
„1. Mit den Gebühren für die berechnungsfähigen Leistungen sind außer den Kosten … die Befundmitteilung sowie der einfache Befundbericht abgegolten.“

 

In den Allgemeinen Bestimmungen vor Abschnitt O GOÄ – Strahlendiagnostik,
Nuklearmedizin, Magnetresonanztomographie und Strahlentherapie: „3. Die Befundmitteilung oder der einfache Befundbericht mit Angaben zu Befund(en) und zur Diagnose ist Bestandteil der Leistungen und nicht gesondert berechnungsfähig.“

 

Medizinische Notwendigkeit beachten
Von entscheidender Wichtigkeit für die Abrechnung ist neben der vollständigen Leistungserbringung, die Beachtung der „medizinischen Notwendigkeit“. Gemäß §1 (2) GOÄ darf der Arzt Vergütungen nur für medizinisch notwendige ärztliche Leistungen berechnen. Eine solche Notwendigkeit ergibt sich unzweifelhaft z. B. dann, wenn ein mit- oder weiterbehandelnder ärztlicher Kollege über die Behandlung und den Krankheitsverlauf eines Patienten ausführlich informiert werden muss.

 

Wunschleistung des Patienten
Wird der ausführliche Krankheits- und Befundbericht alleine auf Wunsch des Patienten erstellt und diesem ausgehändigt, so ist die Leistung als „Wunschleistung“ auf der Rechnung zu kennzeichnen. Eine Erstattung von Seiten der privaten Krankenversicherung ist in einem solchen Fall jedoch eher nicht zu erwarten, und der Patient muss zuvor über die dadurch entstehenden Kosten in Textform aufgeklärt werden (§ 630c Abs. 3 BGB).

 


Leichenschau und Totenschein –
Wie am (das) Ende richtig abgerechnet wird

 

Die Abrechnung der Leichenschau mit Ausstellen des Totenscheins gibt immer wieder Anlass zur Diskussion. Damit diese allerletzte Rechnung nicht zu unnötigen Streitigkeiten mit den Hinterbliebenen führt, lesen Sie hier, wie es richtig geht.

 

Zu „Besuch“ beim Verstorbenen?
Leichenschauen werden durch niedergelassene Ärzte zumeist außerhalb der Praxisräume durchgeführt. Zum Glück verstirbt nur sehr selten ein Patient während der Behandlung in der Praxis. Für das Aufsuchen des Verstorbenen ist die Besuchsgebühr nach der GOÄ-Nr. 50 jedoch nicht berechnungsfähig. Grund hierfür ist die Tatsache, dass es sich bei der GOÄ-Nr. 50 um eine Komplexleistung mit drei verschiedenen Leistungsinhalten handelt:

1. Besuch
2. Symptombezogene Untersuchung
3. Beratung

 

Zwar wird der Verstorbene aufgesucht im Sinne eines „Besuchs“, jedoch können die für die vollständige Leistungserbringung, und damit für die Abrechnung, notwendige symptombezogene Untersuchung und die Beratung nur am lebenden Patienten durchgeführt werden.

Leichenschau
Mit der GOÄ-Nr. 100 wird die Untersuchung eines Toten einschließlich Todesfeststellung vergütet. Andere GOÄ-Nrn. für körperliche Untersuchungen, wie z. B. die GOÄ-Nr. 5 = Symptombezogene Untersuchung oder die GOÄ-Nr. 7 = Vollständige körperliche Untersuchung mindestens eines Organsystems kommen für die Abrechnung nicht in Frage. Wie schon oben erwähnt, können solche Leistungen nur am vitalen Patienten durchgeführt werden.

 

Totenschein nicht zusätzlich berechnungsfähig
Die GOÄ-Nr. 100 ist, wie auch die GOÄ-Nr. 50, eine Komplexleistung. In der Gebühr ist auch die Ausstellung des Leichenschauscheines enthalten. Dieser ist demnach nicht gesondert berechnungsfähig.

 

Wegegeld erlaubt
Obwohl die Besuchsgebühr nach der GOÄ-Nr. 50 entfällt, kann dennoch das Wegegeld in Rechnung gestellt werden. Dies ergibt sich aus der Allgemeinen Bestimmung vor dem Abschnitt B VII – Todesfeststellung in der GOÄ. Berechnungsgrundlage ist der § 8 der GOÄ; dieselbe Bestimmung, die auch für die Berechnung des Wegegeldes bei Hausbesuchen gilt. Für den Antritt der Fahrt ab der Praxis oder der Wohnung des Arztes gelten folgende Wegegelder:

 

Bis zu 2 km: Tag 3,58 € Wegegeld, Nacht 7,16 € Wegegeld
Mehr als 2 bis zu 5 km: Tag 6,65 € Wegegeld, Nacht 10,23 € Wegegeld
Mehr als 5 bis zu 10 km: Tag 10,23 € Wegegeld, Nacht 15,34 € Wegegeld
Mehr als 10 bis zu 25 km: Tag 15,34 € Wegegeld, Nacht 25,56 € Wegegeld

 

Unzeit: Keine Zuschläge aber Faktorerhöhung möglich
Zuschläge für die „Unzeit“ (Wochenende, Nacht etc.) sind neben der GOÄ-Nr. 100 leider nicht berechnungsfähig. Möglich wäre jedoch eine Abrechnung der GOÄ-Nr. 100 oberhalb des Schwellenwertes (> 2,3fach), wenn die Leichenschau z. B. in der Nacht ausgeführt wird.

 

Faktorerhöhung bei besonderen Schwierigkeiten
Besondere Schwierigkeiten bei der Leistungserbringung z. B. durch starke Verwesung, rechtfertigen ebenso den Ansatz eines erhöhten Abrechnungsfaktors wie ggf. der Leichenfundort, z. B. in der Badewanne.

 

Auslagenberechnung
Sollte das amtliche Leichenschauformular nicht kostenlos zur Verfügung gestellt werden, können dafür die tatsächlich entstandenen Kosten gem. § 10 GOÄ zusätzlich in Rechnung gestellt werden.

 


Die Einwilligung in Abtretung der Forderung auf Bezahlung der Behandlungskosten oder kurz:
Alles zum EWE-Formular

 

Das EWE-Formular: Ist es ein weiteres Teil im typisch deutschen Papierkrieg oder ein wichtiger und auch geldwerter Schutz für Ärzte und Zahnärzte?

 

Als Ihr Partner unterstützt die PVS-MEFA Reiss GmbH Sie umfassend im Bereich der Abrechnung der Behandlungskosten und entlastet somit Ihre Praxisverwaltung. Dennoch drängt die pvs-mefa Reiss mit besonderem Nachdruck darauf, dass Sie im Vorfeld der Übermittlung der Abrechnungsdaten stets ein aktuelles pvs-mefa Reiss-Einwilligungsformular von Ihren Patienten unterschreiben lassen.

 

Manche mögen denken: „Noch ein Formular, das beachtet, von dem Patienten unterschrieben und aufbewahrt werden muss.“ Mit dem folgenden Beitrag möchte ich Ihnen die Hintergründe für das Vorgehen der pvsmefa Reiss darlegen, damit Sie am Ende auch überzeugt sind: „Gut, dass die pvs-mefa Reiss daran gedacht hat!“

 

Gesetzliche Ausgangssituation
Der medizinische Behandlungsvertrag wird ausschließlich zwischen Ihnen als Arzt bzw. Zahnarzt und dem Patienten geschlossen. Sie sind dabei als „Behandelnder“ verpflichtet, die versprochene Behandlung des Patienten zu leisten; der Patient ist im Gegenzug zur Gewährung der Vergütung verpflichtet (§ 630a Abs. 1 BGB). Von einer Verrechnungsstelle spricht der Gesetzgeber nicht, so dass diese nicht in den Behandlungsvertrag eingebunden ist.

 

Sowohl berufsrechtlich (§ 9 Abs. 1 Musterberufsordnung Ärzte, § 7 Abs. 1 Musterberufsordnung Zahnärzte) als auch strafrechtlich (§ 203 Abs. 1 Nr. 1 StGB) sind Sie als Zahnarzt oder Arzt jedem gegenüber hinsichtlich sämtlicher Informationen aus dem Behandlungsverhältnis zur Verschwiegenheit verpflichtet; die Schweigepflicht beginnt schon bei der Tatsache, dass eine Person überhaupt bei Ihnen in Behandlung ist und gilt auch gegenüber den engsten Familienangehörigen.

 

Aufgrund dieser gesetzlichen Ausgangssituation ist es unter Berücksichtigung des Datenschutzrechts (§ 4 Bundesdatenschutzgesetz) zwingend erforderlich, dass der Patient vor der Weitergabe von Informationen über die Behandlung an einen Dritten in diese Datenweitergabe einwilligt. Sollte diese Einwilligung nicht vorliegen und Behandlungs- bzw. Abrechnungsdaten an eine Verrechnungsstelle weitergegeben werden, würden Sie gegen das Berufs- und Strafrecht verstoßen und sich entsprechenden Sanktionen aussetzen.

 

Für die Zusammenarbeit mit einer Verrechnungsstelle folgt daraus zudem, dass die Abtretung des Anspruchs auf Begleichung der Behandlungskosten ohne die Einwilligung des Patienten nichtig ist (§ 134 BGB) und die Behandlungskosten weder außergerichtlich noch in einem gerichtlichen Verfahren von der Verrechnungsstelle gegen den Patienten durchgesetzt werden kann.

 

Rechtsprechung
Zahlreiche Gerichte haben sich mit den Voraussetzungen und Anforderungen an die Einwilligung eines Patienten in die Datenweitergabe und Abtretung des Anspruchs auf Begleichung der Behandlungskosten an eine Verrechnungsstelle befasst.

 

Auf Grundlage der gesetzlichen Vorgaben und der darauf aufbauenden Rechtsprechung werden die PVS-Einwilligungsformulare erstellt und regelmäßig an die aktuellen Entwicklungen der Rechtsprechung angepasst.

 

Nachfolgend möchte ich Ihnen einige wesentliche Punkte vorstellen, die in Ihrem Praxisalltag zu berücksichtigen sind:

 

Welche Form muss die Einwilligung haben?
Eine stillschweigende oder mündliche Einwilligung des Patienten in die Datenweitergabe und Forderungsabtretung genügt nach der Rechtsprechung nicht; auch durch den Aushang entsprechender Informationen in der Praxis kann nicht von einem Einverständnis des Patienten ausgegangen werden.

 

Nach § 4a Abs. 1 Satz 3 Bundesdatenschutzgesetz muss die Einwilligung in die Erhebung und Weitergabe von Daten in „Schriftform“ eingeholt werden. Die Rechtsprechung hat diese Anforderung auch auf die Einwilligung des Patienten hinsichtlich der Datenweitergabe an ärztliche Verrechnungsstellen erstreckt.

 

„Schriftform“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass der Patient die ausgedruckte PVS-Einwilligungserklärung eigenhändig unterschreiben muss (§ 126 Abs. 1 BGB). Die Erteilung der Einwilligung kann demnach nicht in der Form erfolgen, dass der Patient beispielsweise auf einem Tablet mit dem Finger oder einem Tablet-Pencil die auf dem Bildschirm sichtbare Einwilligungserklärung (bspw. als pdf-Dokument) unterschreibt. Ausschließlich die elektronische Signatur nach dem Signaturgesetz kann die eigenhändige Unterschrift auf der ausgedruckten Einwilligungserklärung ersetzen.

 

Gleiches gilt unter anderem auch hinsichtlich des Unterschriftserfordernisses bei Heil- und Kostenplänen (Teil 2), Mehrkostenvereinbarungen und Vereinbarungen über die Privatbehandlung bei gesetzlich krankenversicherten Patienten.

 

Zu welchem Zeitpunkt muss die Einwilligung vorliegen?
Im Idealfall wird dem Patienten die Einwilligungserklärung zu Beginn der Behandlung, beispielsweise mit Aushändigung des Aufnahme- und Anamnesebogens zum Unterschreiben vorgelegt. Durch das Unterzeichnen der Einwilligungserklärung zu diesem frühen Behandlungszeitpunkt erhalten Sie die größtmögliche Rechtssicherheit.

 

Spätestens jedoch, bevor Sie die Rechnungs- und Behandlungsdaten oder entsprechende Unterlagen an die Verrechnungsstelle übermitteln, muss die Einwilligung des Patienten in schriftlicher Form vorliegen.

 

Wer muss einwilligen?
Bei der Frage, wer die Einwilligung erteilen und das Einwilligungsformular unterschreiben muss, ist es leider – ebenso wie bei Heil- und Kostenplänen, Mehrkostenvereinbarungen, Vereinbarungen über Privatbehandlung etc. – notwendig, verschiedene Konstellationen zu unterscheiden:

 

Bei volljährigen und nicht unter Betreuung stehenden Patienten genügt es, wenn ausschließlich der Patient selbst die Einwilligungserklärung unterschreibt. Dies wird im Praxisalltag der Regelfall sein.

 

Sofern bekannt ist, dass der Patient unter Betreuung steht (Gesundheits- und Vermögenssorge), muss neben dem Patienten selbst, auch der Betreuer unterschreiben.

 

Wenn die Behandlungskosten nicht von dem Patienten, sondern von einem Dritten (bspw. Ehepartner, Freund, Angehöriger) getragen werden sollen („abweichender Rechnungsempfänger“), muss sowohl der Patient selbst, als auch die zur Zahlung verpflichtete Person die Einwilligung erteilen und das Formular unterschreiben.

 

Bei minderjährigen Patienten genügt bis zum Alter von ungefähr 12 bis 14 Jahren ausschließlich die von den Eltern unterschriebene Einwilligungserklärung. Wenn der Patient bereits 12 Jahre alt ist – spätestens mit 14 Jahren – müssen sowohl der minderjährige Patient selbst, als auch die Eltern das Einwilligungsformular unterschreiben.

 

Wie oft muss das Formular unterschrieben werden?
Die von der pvs-mefa Reiss verwendeten Einwilligungsformulare enthalten den Hinweis, dass die Einwilligung auch für zukünftige Behandlungsund Abrechnungsmaßnahmen erteilt wird. Aus diesem Grund ist es nicht erforderlich, dass der Patient bei jedem Besuch in der Praxis erneut das Einwilligungsformular unterzeichnet.

 

Dennoch ist es nicht zuletzt aufgrund der regelmäßigen Aktualisierung der Einwilligungsformulare sinnvoll, wenn der Patient zumindest alle zwei Jahre ein aktuelles Formular unterschreibt und damit sein Einverständnis nochmals bekräftigt.

 

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Bei besonders wichtigen Änderungen der Einwilligungsformulare werden Sie gesondert von der pvs-mefa Reiss informiert.

 

Wie lange muss die Einwilligungserklärung aufbewahrt werden?
§ 630f Abs. 3 BGB, § 10 Abs. 3 Musterberufsordnung Ärzte und § 12 Abs. 1 Musterberufsordnung Zahnärzte geben eine Pflicht zur Aufbewahrung der Behandlungsdokumentation von zehn Jahren vor. Da nicht ausgeschlossen werden kann, dass auch die Einwilligungserklärung durch ein Gericht als Bestandteil der Behandlungsdokumentation qualifiziert wird, sollte jene ebenfalls zehn Jahre aufbewahrt werden.

 

Sollte der Patient jedoch den Vorwurf eines Behandlungsfehlers erheben und Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüche geltend machen, empfehle ich dringend, die Behandlungsdokumentation – auch die Einwilligungserklärung – bis zur Klärung des Sachverhalts aufzubewahren. Die Höchstgrenze hinsichtlich der Geltendmachung von Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüchen sowie die längste gesetzliche Aufbewahrungspflicht für gewisse Dokumente beträgt 30 Jahre (u. a. § 199 Abs. 2 BGB, § 28 Abs. 3 Satz 1 Röntgenverordnung). Spätestens 30 Jahre nach Abschluss der Behandlung kann somit auch die Einwilligungserklärung vernichtet werden.

 

Wie kann die Einwilligungserklärung archiviert werden?
Die aus rechtlicher Sicht sicherste Form der Aufbewahrung ist die Archivierung des Originals der Einwilligungserklärung. Dafür können Sie bei der pvs-mefa Reiss direkt auch entsprechende Ordner anfordern. Diese sind für Kunden der pvs-mefa Reiss kostenlos.

 

Es ist jedoch rechtlich auch zulässig, die ausgedruckte und von dem Patienten unterschriebene Einwilligungserklärung in digitaler Form zu archivieren. In diesem Fall muss jedoch nachweisbar der ordnungsgemäße Betrieb und Ablauf der Archivierung nach dem aktuellen Stand der Technik berücksichtigt werden. Ebenso wie bei der Behandlungsdokumentation in elektronischer Form, muss auch bei dem Einscannen von Originaldokumenten verhindert werden, dass nachträglich Änderungen werden können, die nicht als solche erkennbar sind (revisionssichere Dokumentation und Archivierung).

 

Im Falle einer gerichtlichen Auseinandersetzung hat jedoch das Original der Einwilligungserklärung einen höheren Beweiswert (Urkunde, § 416 ZPO) als eine eingescannte Einwilligungserklärung (Objekt des Augenscheins, § 371 Abs. 1 ZPO).

 

Unabhängig von der Art der Archivierung müssen die archivierten Unterlagen nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs stets vollständig, verfügbar und lesbar sowie ordnungsgemäß sein.

 

Fazit
Abschließend ist somit festzustellen, dass die von dem Patienten vor Weitergabe der Behandlungs- und Rechnungsdaten unterschriebene Einwilligungserklärung eine essentielle Maßnahme zu Ihrem Schutz und der Entlastung Ihrer Praxisverwaltung darstellt.

 

Wenn Sie nähere Informationen zu dieser oder weiteren medizinrechtlichen Fragestellungen erhalten möchten, können Sie sich mit mir in Verbindung setzen. Gerne stehe ich Ihnen mit Rat und Tat zur Seite.

 

Rechtsanwaltskanzlei Buchmüller-Reiss, Köln
Arndt Wienand, LL.M., Rechtsanwalt, Fachanwalt für Medizinrecht

 


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Konzept und Gestaltung: www.creapart.de

 

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